Jahrgang 2013
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„Es macht Spaß, gemeinsam herumzutüfteln”
Die Idee der Repair-Cafés stammt aus den Niederlanden und kam vor etwa zwei Jahren auf. Nach und nach fand sie auch in Deutschland viele Anhänger. In Köln gibt es bereits zwei Repair-Cafés, in Brühl wird es ab dem Herbst eins geben. Wir haben uns von Jessica Reisner, Annette Blank und Louise Hasenhauer, die zu den Initiatoren des Brühler Repair-Cafés zählen, erklären lassen, was es mit der Idee auf sich hat.

BBB: Viele Menschen werden mit dem Begriff Repair-Café nicht so viel anfangen können. Welche Idee steckt dahinter?
Jessica Reisner:
Vereinfacht gesagt geht es darum, Defekte an Elektro-Kleingeräten und andere kleine Schäden an Gebrauchsgegenständen gemeinsam zu reparieren.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Der naheliegendste Nutzen liegt bei den Besuchern des Repair-Cafés selbst: Falls sich ihr Gerät, gegebenenfalls mit Unterstützung, reparieren lässt, sparen sie das Geld für eine Neuanschaffung. Der zweite Nutzen kommt gleich der ganzen Gesellschaft zugute: Jedes reparierte Gerät, das nicht auf den riesigen Müllbergen unserer Zivilisation landet und länger betrieben werden kann, spart Rohstoffe und Müll. So kann der Repair-Café-Besucher nicht nur die Umwelt schützen, sondern im Sinne nachhaltigen Handels und Konsumierens auch den Firmen ein Schnippchen schlagen, die in ihre Geräte Sollbruchstellen einbauen, um kurz nach Ablauf der Garantie neue Geräte verkaufen zu können. Der schönste Nutzen aber zeigt sich in den bereits bestehenden Repair-Cafés, von denen wir einig besucht haben, besonders deutlich: Es macht schlichtweg Spaß, gemeinsam herumzutüfteln und bereits aufgegebene Geräte wieder ans Laufen zu bringen. Das sind dann schöne Erfolgserlebnisse.

 

BBB: Wie groß ist das Team des Brühler Repair-Cafés?
Louise Hasenhauer:
Im Moment sind wir acht Frauen und zwei Männer. Aber das Team soll natürlich noch größer werden. Wir suchen Helfer, die besondere Fähigkeiten und Kenntnisse besitzen, die bei der Reparatur der Geräte wichtig sind. Sie können sich sehr gerne bei uns melden. Viele spannende Aufgaben warten auf sie. Es müssen auch keine Profis mit Meisterbrief sein. Viele Leute können ein Fahrrad reparieren, mit einer Nähmaschine umgehen oder ein Radio wieder instand setzen. Gerne können sich auch Rentner melden, die bereit sind, ihr Wissen weiterzugeben.

BBB: Stellt diese Art Reparaturservice nicht eine Konkurrenz für bestehende Handwerksbetriebe dar?
Annette Blank:
Nein, überhaupt nicht. Wir verpflichten uns, nur Geräte zu prüfen, die von Handwerkern nicht mehr repariert werden, weil alleine die Suche nach dem Fehler und auch die Reparatur selbst viel zu aufwendig für diese Betriebe wären. Wir verstehen uns als Hilfe zur Selbsthilfe, im weiteren Sinne auch als moderne Nachbarschaftshilfe. Neben dem Tüfteln an den Geräten kommt es zu Gesprächen und zum Gedankenaustausch.

BBB: Was passiert, wenn ein Gerät beim Reparaturversuch endgültig kaputt geht?
Reisner:
Nichts. Wir sind keine Dienstleistung und übernehmen keine Garantie. Wer ein Gerät bei uns abgibt, muss ein Formular ausfüllen, das uns rechtlich absichert und einen Haftungsausschluss beinhaltet. Unser Team arbeitet ehrenamtlich, wir gehen keine Verpflichtung ein, das Ganze ist kostenlos. Sicher werden wir auch eine Spardose aufstellen, in die gerne etwas getan werden kann. Wir können dann davon das eine oder andere für Reparaturen benötigte Werkzeug anschaffen.

BBB: Wo und wie oft findet das Brühler-Café statt?
Blank:
Wir sind sehr froh und dankbar, dass wir vom margaretaS unterstützt werden, wo wir Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt bekommen. Wir haben mit dem Pastoralreferenten Markus Dörstel gesprochen, der die Idee toll fand. Wir wollen im Herbst mit dem Repair-Café starten. Die ersten Termine stehen auch bereits fest, beginnend mit dem 21. September. Von 14 bis 17 Uhr werden wir da sein. Nicht nur die Tüftler, die auf zu reparierende Gegenstände und Geräte warten, sondern auch das Café-Team, das Kaffee und selbstgebackenen Kuchen anbietet.

 

Brühler Repair-Café

Zunächst einmal im Monat wird es ab dem Herbst das Repair-Café im Pfarrheim St. Margareta, Heinrich-Fetten-Platz, geben. Die Gruppe der ehrenamtlichen Organisatoren des Brühler Repair-Cafés suchen weiterhin nach Menschen jeden Alters, die in elektronischen und handwerklichen Fragen fit sind und vielleicht auch kleine Geräte wie Lötkolben, oder besondere Werkzeuge, die man für die Reparatur kleiner Geräte braucht, mitbringen können. Interessenten für die fachkundige Begleitung des Repair-Cafés melden sich bitte unter dieser E-Mail-Adresse: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Die Meldung ist selbstverständlich unverbindlich.
Neben der Reparatur von Elektro-Geräten können auch andere Gebrauchsgegenstände zum Reparieren oder Ausbessern mitgebracht werden, wofür z.B. eine Nähmaschine vorhanden sein wird. Auch Besucher, die mit anderen Handarbeiten oder einfach nur aus Interesse das Repair-Café besuchen möchten, sind dort herzlichst auf einen Kaffee willkommen.
Die Teilnahme am Brühler Repair-Café ist kostenlos. Es wird eine Spenden-Box geben, um langfristig eigenes Werkzeug für Reparaturen und Verbrauchsmaterialien wie Lötzinn finanzieren zu können. Auch der Verzehr von Kaffee und Kuchen und eine kleine Spende dafür erweiteren die Betätigungsmöglichkeiten der Tüftler. Weitere Informationen gibt es unter:
http://repaircafebruehl.wordpress.com/