Jahrgang 2016
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Bernhard Münch berichtet aus dem Archiv von Jakob Sonntag (1902-1991)

 

Vor 65 Jahren:
KBE „unter Strom“

Nach den langen Jahren des Krieges und des beginnenden Wiederaufbaus gab es auch in Brühl immer wieder Grund zu Freude. So auch am 2. Dezember 1951, als der Personenverkehr auf der elektrifizierten KBE Strecke zwischen Brühl und Wesseling aufgenommen werden konnte.

Vor 585 Jahren:
Brühler Beifang
Wenn heute die Rede vom Beifang ist, so denken wir in erster Linie an die Fischerei. Findet jedoch ein solcher Beifang im Zuge der Stadtgeschichte Erwähnung, so hatte dieses Wort (im damaligen Sprachgebrauch „bivanc”) ganz allgemein die Bedeutung „Bezirk”. Und um einen Teil dieses Brühler Außenbezirkes ging es am 31. Dezember 1431: Zu Brühl wurde an diesem Tag ein Kaufvertrag geschlossen, der die mittelalterlichen Grundrechtsverhältnisse in Geildorf drastisch verändern sollte. Die Eheleute Damian von Lupenau und Johanna von Blense verkauften ihren Hof „Geildorf bei dem Brole“ mit 100 Morgen Land mit einer Mühlstatt, mit „Zinsen, Pächten und anderen Gefällen“, für 800 Kaufmannsgulden und 20 kölnischen Weißpfennig an den Dechanten des Stiftes St. Severin in Köln. Und somit wurde ein großer Teil des eigentlichen Brühler Beifanges der Zuständigkeit (und der Besteuerung) Brühls entzogen.

Vor 220 Jahren:
Französische Kontribution
Der Begriff der Kontribution definiert sich wie folgt: es stellt gemäß des Völkerrechts die von der Bevölkerung eines Gebietes erhobene Steuer zur Finanzierung des Besatzungsheeres dar. Und eben eine solche Steuer wurde im Dezember 1796 auch in Brühl fällig. Die Franzosen herrschten im Lande, es war eine schlimme und schwere Zeit und fast jeden Tag kamen neuerliche Kontributionsbefehle. Aus dem Lande wurde damals eben alles herausgepresst, und der gemeine Mann „musste geben was er hatte und was er nicht hatte“, wie es in einer zeitgenössischen Aufzeichnung heißt.
Just vor dem Weihnachtsfest, am 22. Dezember 1796 erging für die Region zwischen Maas und Rhein, und damit auch für Brühl – durch Ausruf und Anschlag eröffnet – der Befehl, dem Generaldirektorium zu Paris 3 Millionen Lire zu erbringen. Dabei war ein Drittel auf der Stelle bei der Kasse des Domänenempfängers einzuzahlen. Weihnachtsfreude wird es im Jahre 1796 in Brühl also nicht wirklich gegeben haben, und der Brühler Maire (Bürgermeister) Lievenbruck hatte dennoch keine Wahl, als den für Brühl angesetzten Beitrag mit aller Härte einzutreiben.

Vor 125 Jahren:
Missionskreuz
Als am Heiligen Abend des Jahres 1891 gleich hinter dem Hauptportal der Pfarrkirche St. Margareta eine Kreuzgruppe aufgestellt wurde, da schloss sich an dieser Stelle ein ganz besonderer Kreis. Denn die Gruppe, die fortan als Missionskreuz zum Einsatz kommen sollte, hatte eine besondere Vergangenheit: Es handelte sich dabei um eben jenes Kreuz, das Kurfürst Joseph Clemens (1688-1723) zum Dank für die Beendigung des Spanischen Erbfolgekrieges und den Frieden zu Rastatt im Jahre 1714 gestiftet hatte. Zuvor hatte es in der alten Pfarrkirche seinen Platz auf einem Balken über dem Altar.
Joseph Clemens hatte sich in diesem Krieg gegen den Kaiser gestellt und somit sprichwörtlich „aufs falsche Pferd gesetzt“, und so musste er lange Jahre im französischen Exil leben.