Jahrgang 2017
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Bernhard Münch berichtet aus dem Archiv von Jakob Sonntag (1902-1991)

Vor 240 Jahren
Die Bürgerpflichten des Ignatius Seydlitz

Früher wie auch heute gehören die allgemeinen Bürgerpflichten nicht gerade zu den liebsten Errungenschaften der Bevölkerung. Im 18. Jahrhundert jedoch bestanden diese nicht nur in der Verpflichtung zur Zahlung von Abgaben, nein, es gab auch die Einquartierungspflicht, mit der jeder freie Bürger belegt war. Und – früher wie heute – gab und gibt es die stete Bestrebung der Bürger, zu versuchen, sich vor der Erfüllung dieser Pflichten zu drücken, bzw. diese wie auch immer zu umgehen.
So finden wir am 5. Mai des Jahres 1777 einen Beschluss des Brühler Rates, in dem der Bürger Ignatius Seydlitz, Besitzer des Hauses „zum Stern“, mit Nachdruck darauf hingewiesen wird, dass er entgegen seinem Wunsche doch vollständig der allgemeinen Bürgerpflicht unterliege.

Was war zuvor geschehen? Am 1. Mai des Jahres 1776 hatte Seydlitz das Haus „zum Stern“ an der Stirnseite des Brühler Marktes (das ehemalige Haus Moons an der Ecke Bahnhofstraße) erworben. Bis dahin gehörte es dem Gerichtsschreiber Johann Weisweiler.
Da dieses Haus in den Jahren von 1604 bis 1664 die Kölner Niederlassung der Jesuiten in Brühl gewesen war, lag auf diesem Gebäude noch ein Steuer- und Einquartierungsprivileg, sprich: es war von der Steuer- bzw. Einquartierungspflicht befreit. Eine sehr angenehme Aussicht für den Käufer, der neu nach Brühl gezogen war.

Ignatius Seydlitz wäre ein schlechter Geschäftsmann gewesen, hätte er nicht versucht, dieses Privileg für sich zu nutzen. Sehr zu seinem Leidwesen jedoch wurde ihm dieses Recht zunächst vom Rat der Stadt Brühl, und schließlich letztinstanzlich von der Bonner Hofkammer verwehrt. Die Hofkammer entschied, dass er trotz des auf dem Haus ruhenden Privileg zur Erfüllung der allgemeinen Bürgerpflichten herangezogen werden könne.
Und dies wurde ihm mit Datum des 5. Mai 1777 vom Brühler Rat mitgeteilt.

Vor 295 Jahren
Clemens August wird Coadjutor

Mit dem Datum des 9 Mai im Jahre 1722 trat Clemens August erstmals in eine offizielle Funktion im Kölner Kurfürstentum. Damals wurde er auf Bitten seines Onkels, des Kölner Kurfürsten Josef Clemens zu dessen Coadjutor bestimmt. Der Coadjutor (lat. „Beistand“) wurde vom Domkapitel bestätigt und so kam der junge Bayernprinz Clemens August in den Dienst des Oheims und des Kurstaates. Diese Entscheidung sollte ihm gleichsam zum „Erben“ der Kurkrone machen, und somit den Einfluss der Familie sichern.

Josef Clemens starb am 12. November 1723 und wie gewünscht, wurde Clemens August I. Ferdinand Maria Hyazinth von Bayern (* 16. August 1700 in Brüssel; † 6. Februar 1761 auf Schloss Phillipsburg in Ehrenbreitstein), wie er mit vollständigem Namen hieß zum Nachfolger als Kurfürst von Klön bestimmt. Ihm war es dann vergönnt, die von seinem Onkel ins Auge gefassten Pläne zum Wiederaufbau des 1689 von den Franzosen zerstörten Schlosses zu verwirklichen. Und gerade hierdurch macht er sich dann in Brühl quasi unsterblich. Die Schlösser Augustusburg und Falkenlust sowie das prachtvolle, von der Kloster- zur Schlosskirche umgebaute Gotteshaus St. Maria von den Engeln zeugen bis auf den heutigen Tag von seiner Freude an prachtvoller Architektur und Kunst.

Vor 270 Jahren
Clemens August als Tierquäler

In diesem Monat kommt der „Brühler Kurfürst“ Clemens August gleich mehrfach zu Chronikehren, diesmal allerdings ist der Eintrag aus heutiger Sicht eher negativ zu werten. Tierschützer der heutigen Tage wären in Scharen dagegen protestieren, damals nahm man die kurfürstliche Anordnung eher nebenbei zur Kenntnis und setzte um, was der Regent verkünden ließ.

Als Liebhaber der Jagd war es dem Kurfürsten seit langem ein Dorn im Auge, dass seine fürstlichen Vergnügungen immer und immer wieder durch die ‘Untaten’ der Brühler Katzen an seinen Fasanen und Feldhühnern gestört wurden. Katzen gab es zur damaligen Zeit in Hülle und Fülle, und was der Hundedreck als Belästigung für den Bürger heutzutage, das war das Wildern der Katzen damals für den kurkölnischen Landesherrn.

Und so kam ihm die Idee, dem 'Viehzeug' das Handwerk zu legen. Kurzerhand ordnete er an diesem 12. Mai 1747 'gnädigst' an, dass allen Brühler Katzen beide Ohren 'platt am Kopfe' abgeschnitten werden sollten, damit ihnen bei Tau- und Regenwetter jede Lust am freien Auslauf in die Felder vergehen solle. Wer dies als Katzenhalter nicht tat, der sollten in Strafe genommen werden und einen Viertelgulden zu entrichten haben. Den Beamten, die das zu kontrollieren hatten, wurde sogar eine Belohnung aus dem Ertrag dieser 'Bußgeldzahlungen' zuerkannt. So streng war damals das Reglement - und was auf seinen Wunsch hin angeordnet wurde, war des Volkes Gesetz.