Jahrgang 2017
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Seit sechs Jahren arbeitet Patrick Blümel im Max Ernst Museum Brühl des LVR. Der 37-jährige gebürtige Duisburger studierte Kunstgeschichte in Bonn mit Schwerpunkt auf moderner und zeitgenössischer Kunst. Seit Anfang 2017 hat er eine Vollzeitstelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „MIRÓ – Welt der Monster”, die noch bis 28. Januar 2018 zu sehen ist, hat der Brühler Bilderbogen mit Patrick Blümel gesprochen.

BBB: Herr Blümel, im Max Ernst Museum folgt eine großartige Ausstellung auf die nächste. Wie haben Sie die letzten Jahre dort erlebt, wie bringen Sie sich in das Team ein?
Patrick Blümel: Ich war von Anfang an kuratorisch an den Ausstellungen beteiligt und habe neue Aspekte ins Team einbringen können, wie etwa die digitale Erweiterung unseres Angebots. Zur Ausstellung „M.C. Escher“ haben wir das Konzept „Escher 2.0“ ins Leben gerufen, das den Einfluss des Grafikers auf die digitale Unterhaltungsszene herausstellte. Besucher konnten etwa in drei von uns entwickelten Virtual-Reality-Anwendungen Prinzipien der optischen Täuschung in virtueller 360°-Umgebung erleben. Das Thema Virtual Reality war jüngst auf der Gamescom in Köln allgegenwärtig. Es ist eine besondere Herausforderung und Motivation, solche Projekte zu realisieren, die am Puls der Zeit sind.

BBB: Auch zur Miró-Ausstellung hat sich das Museum wieder etwas Besonderes einfallen lassen.
Blümel: Genau, wir haben die Augmented-Reality-App „Miró 2.0“ entwickelt. Hintergrund der Idee ist, dass sich die Plastizität der dreidimensionalen Objekte und das damit verbundene Raumerlebnis in der Ausstellung im gedruckten Katalog nicht wiedergeben lassen. Die App durchbricht diese Zweidimensionalität. Wenn Sie Ihr Smartphone mit der App auf eine der markierten Seiten richten, erscheint die Plastik als 360°-Objekt. Sie können sie von allen Seiten betrachten, indem Sie sich um das Buch bewegen oder es drehen.
Darüber hinaus können Sie die App als Besucher der Ausstellung nutzen und ein Puzzle-Game spielen. Wir haben aus den Plastiken Gegenstände, die Joan Miró gesammelt und zusammengefügt hat, isoliert und versteckt. Mit der App können Sie sich auf die Suche nach diesen machen und den Schaffensprozess Mirós aktiv nacherleben. Am Ende kann jeder Besucher sein eigenes virtuelles Monster auf einen Sockel stellen, es farbig bearbeiten und ein Foto damit machen. Auf diese spielerische Art und Weise wird die Ausstellung zu einem persönlichen Erlebnis, besonders für jüngere Menschen. Bei unseren Ausstellungen „The World of Tim Burton“ und „M.C. Escher“ war die Hälfte der Besucher unter 30 Jahre alt. Mit neuen Formen der Kunstvermittlung wollen wir junge Menschen und neugierige Erwachsene für unser Museum interessieren und einen modernen Zugang zu den Werken ermöglichen. Die App „Miró 2.0“ soll die Augen für Details in den ausgestellten Plastiken öffnen. Zu jedem eingesammelten Gegenstand gibt es einen Text, der den Bezug zu Miró herstellt und dazu anregt, das reale Kunstwerk zu erkunden.

BBB: Was ist das Besondere an der neuen Ausstellung?
Blümel: Wir zeigen mit Mirós Plastiken aus den 1960er- und 1970er-Jahren eine eher unbekannte Seite des Künstlers, der besonders durch seine farbigen Gemälde und Grafiken populär geworden ist. Miró wird aufgrund dieser Farbigkeit häufig als positiver Künstler wahrgenommen. Miró sah sich selber aber eher als Pessimist. Er erlebte die Regierungszeit des spanischen Diktators Francisco Franco mit. In dieser Zeit erwachten seine eigenen Dämonen: „Als ich über den Tod nachdachte, kam ich dazu, die Monster zu schaffen, die mich gleichzeitig anzogen und zurückstießen“, sagte er rückblickend. Das Regime versuchte vehement, das Werk des Künstlers für eigene Zwecke zu instrumentalisieren. Miró reagierte und stellte nur selten in seinem Heimatland aus.
In seiner Kunst wird an vielen Stellen eine subtile Kritik deutlich, so etwa auch in seinem plastischen Wirken. Es entstanden Bronzeplastiken von bizarren „Monstern“ aus Alltagsgegenständen, die nicht dem Kunstverständnis des Faschismus entsprachen. Inspiration für den Titel der Ausstellung gab übrigens eine Notiz Mirós von 1941/42: „In der Plastik erschaffe ich eine wahrhaft traumhafte Welt lebender Monster.” Mirós Plastiken sind einzigartig, so wie die von Max Ernst. Die Präsentation ist eine einmalige Gelegenheit, das plastische Wirken beider Künstler zu vergleichen.

BBB: Die Ausstellungen im Max Ernst Museum sind immer ausgesprochen gut besucht. Was war für Sie bislang das größte Highlight?
Blümel: Ich denke, die Ausstellung „The World of Tim Burton“ hat für mich neue Maßstäbe gesetzt. Ich bin ein großer Fan seiner Filme und hatte die Möglichkeit, mich seinem Schaffen aus einer neuen Perspektive zu nähern. Wir haben über 600 Zeichnungen, Gemälde und Figuren versammelt, was das Team vor eine große Herausforderung stellte. Mit fast 100.000 Zuschauern war es die bisher erfolgreichste Ausstellung des Museums. Ein solches Projekt zu realisieren, das man eher in einer Metropole wie Berlin vermuten würde, hat für die Zukunft motiviert.
 
BBB: Wie empfinden Sie das Arbeiten in einer Kleinstadt wie Brühl? Was bekommen Sie von der Atmosphäre in der Stadt mit?
Blümel: Ich verbringe meine Pausen gerne in den verschiedenen Lokalen in Brühl. Ich mag die Stimmung, ich mag meinen Weg zur Arbeit, der mich vom Bahnhof durch den Schlossgarten führt. Wir arbeiten im Geburtshaus von Max Ernst. Brühl hat ein internationales Flair und kann mit einer Stadt wie Bonn locker mithalten.