Jahrgang 2018
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Eine ganz besondere Ausstellung ist vom 16. bis 20. Februar in der Brühler Rathausgalerie, Uhlstraße 2, zu sehen. Dr. Günther Schürmann hat aus dem fotografischen Nachlass von Harald Blondiau eine „Retrospektive” mit vielen einzigartigen Aufnahmen konzipiert.  Den im vergangenen Jahr im Alter von 75 Jahren verstorbenen Fotografen kannte der Ausstellungsmacher seit sechzig Jahren.

Der Brühler Bilderbogen hat sich mit dem früheren Brühler Internisten und Lungenfacharzt über Leben und Werk von Harald Blondiau unterhalten. 

BBB: Herr Dr. Schürmann, Sie kannten Harald Blondiau sehr lange. Wie haben sie sich kennengelernt?
Dr. Günther Schürmann: Ich kannte Harald Blondiau seit meinem 8. Lebensjahr. Er stammte aus einer eng befreundeten Nachbarsfamilie und war ein Freund meines älteren Halbbruders. Er hat mich schon bei meiner Kommunion fotografiert. Wir haben uns dann bis zuletzt immer wieder getroffen. Und ich habe sein gesamtes fotografisches Erbe übernommen. Alle Negative, alle Abzüge. Schon vor elf Jahren hat er mir alles zugeschrieben.  

BBB: Wie war sein Werdegang?
Schürmann: Er hat als „Photo-Ingenieur” die Fotografie in all ihren Facetten ganz klassisch erlernt und sich auch Zeit seines Lebens als Handwerker verstanden. Auf seiner Visitenkarte stand: Werkstatt für Fotografie. Er hat bei einem Fotografen gelernt, die Werkschule mit dem Schwerpunkt Design und Fotografie besucht. Danach arbeitete er in der Agfa-Werbeabteilung. Er wurde Werbefotograf und reiste kreuz und quer durch Europa und hat große Fotolabors beraten. In den neunziger Jahren fing er dann bei der Stadt Brühl an.  

BBB: Was für ein Typ war Harald Blondiau?
Schürmann: Für seine Freunde hat Harald Blondiau alles getan, bei anderen war er auch schon mal verschmitzt oder ein Dickkopf. Das hat ihn angreifbar gemacht und wurde auch ausgenutzt, wenn seine Bilder etwa von Großkunden ohne sein Wissen und ohne Honorar für edle Kalenderproduktionen verwendet wurden. Er hat schon seit den sechziger Jahren in Köln gelebt, sich dort auch ins Szeneleben gestürzt. Er war zweimal verheiratet, er war ein Freund schöner Autos und sehr tierlieb. Sein letzter Hund Jakob war immer dabei. Als Stadtfotograf hat er sich dafür eingesetzt, dass die Stadt Brühl das Archiv Neff gekauft hat. Für das Max Ernst Kabinett hat er alle im Besitz befindlichen Skulturen und Gemälde von Max Ernst von vorne und hinten fotografiert. Er hat in seinen Bildern auch gerne Kleinigkeiten festgehalten und äußerst präzise gearbeitet. Dabei hat er mit den besten Kameras und Objektiven fotografiert. An der Technik hat er nie gespart. Schon oft wurden seine Fotografien ausgestellt, zuletzt noch im Jahr 2016 im Clara-Elisenstift in Köln, in dem er nach seiner Beinamputation seine letzten Jahre verbracht hatte.  

BBB: Was wird in der Ausstellung gezeigt?
Schürmann: Harald Blondiau hat schon zu Lebzeiten oftmals seine Bilder ausgestellt, in Köln, in Brühl oder in Königswinter. Er hat großartige Serien zu verschiedenen Themen geschossen. Bekannt sind sicherlich seine außergewöhnlichen Fotografien von Schaufensterpuppen. Aber genauso hat er sich auch Industrieanlagen, Kränen, Autowerkstätten mit Oldtimern gewidmet oder für Juweliere Schmuckstücke fotografiert. Er war in den sechziger und siebziger Jahren viel auf Reisen im europäischen Ausland und besonders gerne in Cadzand oder Knokke an der Nordseeküste. In der Retrospektive zeigen wir viele Bilder der angesprochenen Themenbereiche von Harald Blondiau aus den letzten rund 55 Jahren. Sie ist von Samstag bis Dienstag täglich von 11 bis 13 sowie von 14 bis 18 Uhr geöffnet. 

BBB: Wie steht es um Ihre eigenen fotografischen Fähigkeiten?
Schürmann: Ich bin über Harald zur Fotografie gekommen und habe mich auf die Landschaftsfotografie spezialisiert. Besonders angetan haben es mir die Landschaften auf Island, den Lofoten oder in Norwegen. Im Gegensatz zu Harald, der immer analog fotografiert und seine Bilder sowohl in schwarzweiß als auch in Farbe selbst entwickelt und abgezogen hat, fotografiere ich aber auch mit einer Digitalkamera. Meine Bilder hingen dann auch in meiner Arztpraxis am Balthasar-Neumann-Platz.