Jahrgang 2018
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Bernhard Münch berichtet aus dem Archiv von Jakob Sonntag (1902-1991)

Vor 115 Jahren
Schlachthofzwang

Die Brühler Stadtväter fassten in ihrer Sitzung am 8. Mai 1903 den Beschluss, dass der für den Stadtbezirk Brühl bereits geltende Schlachthofzwang ab sofort für die gesamte Samtgemeinde gelten solle. Somit wurden auch in den Gemeinden Badorf, Berzdorf, Kierberg, Schwadorf und Vochem, die mit der heutigen Innenstadt gemeinsam die Samtgemeinde Brühl bildeten, die bis dato üblichen Hausschlachtungen untersagt.
Bereits 1896 war ein Ratsbeschluss ergangen, einen Schlachthof an der Bergerstraße zu errichten. Dieser konnte am 1. April 1898 in Betrieb genommen werden. Just im Frühjahr 2018, also fast auf den Tag genau 120 Jahre nach der Inbetriebnahme, musste das imposante Gebäude in Brühl Ost dem Abrissbagger weichen. Hier entsteht nun ein neues Wohngebiet.

Vor 465 Jahren
Philipp Melanchthon in Brühl
Auf Einladung des damaligen Erzbischofen und Kurfürst von Köln, Hermann von Wied (1477-1552), verbrachte der bis heute als „Praeceptor Germaniae“ (Lehrer Deutschlands) bekannte Gelehrte Philipp Melanchthon (1497-1560) im Mai des Jahres 1543 einige Zeit in Brühl. Melanchthon war neben Martin Luther wohl die treibende Kraft der deutschen und europäischen Reformation. Fragen zu eben dieser Lutherischen Reformation standen damals im Mittelpunkt seiner Gespräche in Brühl, Bonn und anderen Zentren des Erzstiftes. Er diskutierte mit Theologen und Gelehrten. Hier in Brühl war damals Pater Servatius Noetberg sein Gesprächspartner. Pater Noetberg war über viele Jahre Domprediger in Köln und als solcher ein herausragender Theologe und wortgewandter Prediger. Er starb am 21. Januar 1567 und wurde im Kreuzgang des Brühler Klosters begraben.

Vor 285 Jahren
Ein mysteriöser Todesfall
Wer heutzutage durch die Von-Roll-Straße geht (sie zweigt unweit der Römerstraße vom Mühlenbach ab), der wird kaum daran denken, dass der Namensgeber, jener Johann Baptist Freiherr von Roll zu Bernau in einen der mysteriösesten Todesfälle seiner Zeit verwickelt war. Wobei das Wort verwickelt nicht ganz die rechte Formulierung darstellt, war von Roll doch am 5. Mai des Jahres 1733 der Getötete in einem Duell – wenn man den Aussagen der dokumentierten Zeugen Glauben schenken darf.
Gegen den ausdrücklichen Befehl des Kurfürsten Clemens August duellierten sich in einem Garten in Höhe der heutige Comesstraße von Roll, Komtur des Deutschen Ordens und Minister für die Angelegenheiten des Ordens am Hof des Hochmeisters und Kurfürsten Clemens August und der kurfürstliche Vice-Obriststallmeister Christian von Bevernförde.
Einzig klar belegbar ist, dass von Roll an diesem Morgen starb. Die weiteren Umstände um den Tod des wohl besten Freundes von Clemens August sind bis auf den heutigen Tag unklar: nachdem man kavaliersmäßig die Klingen gekreuzt hatte, soll dann – so ergab die später durchgeführte Untersuchung – einer der Zuschauer ausgerufen haben: „Er (von Bevernförde) ist blessiert (verwundet)!”
Somit wäre den Duellregeln gemäß der Zweikampf beendet gewesen. Von Roll gab seine Kampfhaltung auf und wollte den Degen zurückstecken. In diesem Augenblick habe von Bevernförde jedoch einen gezielten Degenstich in den Leib des Komturs ausgeführt.
Clemens Augusts ließ seinen Freund vor dem Hochaltar der Pfarrkirche St. Margareta beerdigen. Er stiftete dem Toten zu Ehren ein Standbild des Hl. Johannes von Nepomuk (ursprünglich an der Stelle des Duells aufgestellt, fand es seinen Platz später dann im Vorhof der Klosterkirche, wo es bis auf den heutigen Tage zu finden ist), ein Epitaphium aus Marmor (in der Margaretenkirche) und eine silberne Grablampe (jetzt Ewiglichtlampe in der Klosterkirche).

Vor 125 Jahren
Baubeginn am Marienhospital
Am 4. Mai des Jahres 1893 begannen die Bauarbeiten zur Errichtung des Brühler Marienhospitals an der Mühlenstraße. Mit diesem „ersten Spatenstich“ mündeten die jahrelangen Bemühungen des späteren Brühler Ehrenbürgers Dechant Richard Bertram in der Verwirklichung seines größten Vorhabens für unsere Heimatstadt.

Vor 45 Jahren
„Umweltschutz – Frühjahrsputz“
Die Zeit vom 4. bis 14. Mai 1973 stand in Brühl unter dem Leitgedanken „Umweltschutz – Frühjahrsputz“. Über das ganze Stadtgebiet verteilt wurden 23 Großcontainer aufgestellt. Die Bevölkerung wurde ermuntert, das Gerümpel des Frühjahrsputzes hierin zu entsorgen. Der Erfolg der Aktion war beachtlich: Insgesamt 84 Leerungen ergaben einen Müllberg von 720 Kubikmetern. Im Jahre 2018 blickt man als Brühler recht neidvoll auf diese Zeiten zurück, angesichts der heutigen Müllgebühren und der so selten gewordenen Sperrmüllabfuhr waren das paradiesische Zustände. Beim Anblick der vielen wilden Müllkippen wäre eine solche Aktion auch heute von Nutzen!