Jahrgang 2018
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Bernhard Münch berichtet aus dem Archiv von Jakob Sonntag (1902-1991)


Juni: Vor 235 Jahren
Brühler Klosterschule

Am 22. Juni 1783 erließ Kurfürst Maximilian Franz eine für die Schulbildung in seinem Herrschaftsbereich herausragende Verfügung: er ordnete an, dass alle Klöster seines Kurfürstentums gemeinnützige Aufgaben übernehmen mussten. In erster Linie sollten – soweit geeignetes Lehrpersonal vorhanden war – Schulen für die Bevölkerung entstehen. Noch im selben Jahr wurde dieser Erlass von dem in Brühl ansässigen Franziskanerkloster umgesetzt: eine höhere Schule wurde eingerichtet. Damit wurde die bis weit in das vorige Jahrhundert bestehende Tradition der Nutzung des Klostergebäudes als Schule begründet. Der ersten klösterlichen Schule folgenden danach das Lehrerseminar, die Volks-, Berufs- und Handelsschule, bis danach die Umwidmung zum Brühler Rathaus anstand.

Juni: Vor 730 Jahren
Brühler Geburtswehen
Der 5. Juni des Jahres 1288 ist, ganz ohne dass er in den Chroniken unserer Heimatstadt auftauchen müsste, dennoch ein Tag von ganz entscheidender Bedeutung für Brühl. Denn eben an diesem Tag fand die Schlacht von Worringen statt, die man  kurz zusammenfassen könnte mit der plakativen Überschrift: „Alle gegen den Kölner Erzbischof!“. Und dieser Erzbischof war kein anderer als Siegfried von Westerburg. Damit haben wir dann auch schon den Bezug zu Brühl. Denn genau dieser Erzbischof Siegfried von Westerburg war es, der sich nach der Niederlage in der Schlacht von Worringen vor seinen Kölner Untertanen nicht mehr blicken lassen konnte. Diese hatten ihm – vornehm ausgedrückt – den Stuhl vor die Tür gesetzt. In Köln selbst pflegte man damals allerdings eher zu sagen: „den haben wir fortgejagt“!

Wie dem auch sei: der Kurfürst war hernach auf der Suche nach einer neuen Residenzstadt, und diese Situation könnte man damit als die Geburtswehen der Residenzstadt Brühl – damals noch ein unbedeutender Flecken im Schatten Kölns – bezeichnen. Während einer früheren Auseinandersetzung mit seinen Kölner Bürgern hatte von Westerburg bereits 1285 zur Stadt erhoben, nun baute er diese zu seiner Residenz aus. So entstand denn vor den Toren seiner ehemaligen Residenz in der Folgezeit die starke Festung Brühl, umgeben von Wall und Mauer. Dies war der Auftakt für das Aufblühen Brühls – dem Unheil des Kurfürsten verdankt unsere Stadt quasi all seine Bedeutung und Geschichte!

Juni: Vor 125 Jahren
Prozession im Schlosspark
Am 1. Juni 1893 beging man in Brühl das Fronleichnamsfest mit der traditionellen Prozession. Allerdings war diesmal alles ganz anders! Denn dem rührigen Brühler Geistlichen Richard Bertram war es in langen und schwierigen Verhandlungen gelungen, diese Prozession durch den Schlosspark führen zu dürfen. Den krönenden Abschluss bildete damals der feierliche Segen vor der Schlossterrasse. Bis dahin ging der Prozessionsweg entlang der Stadtmauern und die Segensaltäre standen an der Sebastianuskapelle beim Palmersdorferhof, am hölzernen Kreuz bei Badorf, an der Gabjey und am steinernen Kreuz vor dem Kölntor. Wie man sieht, ein ganz beachtlicher Weg, der damals gegangen wurde!

Juni: Vor 75 Jahren
Brühl wird evakuiert
Die direkten Auswirkungen des zweiten Weltkriegs wurden in Brühl im Verlauf des Juni 1943 immer deutlicher sichtbar. Erstmals begann man mit einer groß angelegten Evakuierungsmaßnahme. Dabei wurden in nur einer Woche gleich vier Sonderzüge, vorwiegend mit Frauen und Kindern belegt, nach Thüringen und Schlesien auf den Weg gebracht. Lehrlinge und Gymnasiasten mussten als Flakhelfer dienen. Damit diese nicht gänzlich ohne Anleitung ihren Zwangsdienst antreten mussten, stellten sich viele Lehrer und auch Geistliche freiwillig zur Verfügung, um den jungen Hilfssoldaten in den Flakstellungen Unterricht zu geben.

Juli: Vor 110 Jahren
Oberpfarrer Lehnen wird geboren
Am zweiten Juli 1908 wurde Philipp Lehnen geboren - wer ihn kennenlernte, dem wurde ob seines herzlichen rheinischen Humors schnell klar, dass nur Köln als Geburtsstadt in Frage kommen konnte.

Sein Wunsch, Priester zu werden mündete am 16 Februar des Jahres 1934 in der Weihe durch den Kölner Erzbischof Kardinal Carl Josef Schulte. Er verbrachte die ersten Jahre nach seiner Weihe zunächst als Kaplan in Essen-Karnap und wirkte danach über 11 Jahre lang in Frechen. Nach der Gemeindereform des Jahres 1953 - in Brühl war die damals übergroße Pfarrei St. Margareta aufgeteilt worden und man hatte die Rektoratspfarrbezirke St. Stephan und St. Maria von den Engeln gegründet - wurde ihm die Obhut der ´Klosterkirche´ übertragen. Diese Aufgabe nahm ihn wegen der völligen Zerstörung des prachtvollen Barockaltars und eines Großteils der Kirche aufs äußerste in Anspruch. Damals verstand er es, sowohl den Landeskonservator, wie auch die Sachverständigen des Generalvikariates für seine Sache zu gewinnen. Beide nämlich wollten eigentlich ´den Schutt´ abtransportieren lassen und einen völlig neuen Altarraum gestalten. Als Lehnen ihnen dann jedoch die von vielen Brühlern - initiiert und geleitet vom damaligen Kaplan Johannes Blum - in mühevoller Arbeit zusammengetragenen, sortierten und nummerierten Splitter und Stückchen des Altares und seiner Figuren präsentierte, da konnte er sich der Erhaltung dieses unschätzbaren Kunst- und Kulturgutes sicher sein.

Zu „seinen Brühlern“ hatte der Oberpfarrer (so durfte er als sich Pfarrer an St. Margareta seit 1968 nennen) stets ein besonders inniges Verhältnis. Ob seiner ebenso innigen Bindung an „seine Klosterkirche“ war ihm im Ruhestand das Privileg vergönnt, diesen in seiner Pfarrei erleben zu dürfen – normalerweise verlässt der scheidende Pfarrer seine Gemeinde.

Am Sonntag, dem 4. Juli 1993, genau 2 Tage nach seinem 85. Geburtstag wurde ihm dann auch eine besondere Ehrung seitens der Stadt Brühl angetragen: Oberpfarrer Philipp Lehnen trug sich im Rahmen einer Feierstunde im Kapitelsaal des Rathauses in das Goldene Buch der Stadt ein.

Lehnen wurde am 5. Oktober 2002 im gesegneten Alter von 94 Jahren heimberufen. Mit einem festlichen Trauergottesdienst, zelebriert von Weihbischof Norbert Trelle, nahmen seine Pfarrgemeinden und ganz Brühl dann am 11. Oktober Abschied. Auch der letzte Weg begann für Lehnen in seiner Klosterkirche - sein Sarg war während der Exequien vor dem Hochaltar aufgebahrt.


Juli: Vor 200 Jahren
Schützen neu gegründet
Nachdem man sich im Jahre 1789 aufgelöst hatte, konnte die Brühler St. Sebastianus Schützenbruderschaft sich am 13. Juli 1818 feierlich neu konstituieren.

Juli: Vor 215 Jahren
fête nationale in Brühl
Am Tag der französischen fête nationale (Nationalfeiertag), dem 14. Juli des Jahres 1803, musste in der Pfarrkirche auf Beschluss der damaligen Besatzung ein feierliches Hochamt gehalten werden. Als besondere Auflage wurde gemacht, dass auch das „Te Deum“ zu erklingen habe. Dieses Te Deum ist ein besonders feierlicher lateinischer Lob-, Dank- und Bittgesang. Ob aus Furcht vor den Besatzern, oder aus freien Stücken, die Brühler Prominenz versammelte sich vor dem Gottesdienst im Gemeindehaus und zog dann geschlossen, vom amtierenden Maire Jakob Zaaren angeführt, zur Kirche.