Bernhard Münch berichtet aus dem Archiv von Jakob Sonntag (1902-1991)

Vor 300 Jahren 
Grundsteinlegung

Dass er die Fertigstellung seines Prachtschlosses nicht mehr erleben würde, mag unserem Kurfürsten Clemens August sicherlich nicht vor Augen gestanden haben, als er am 8. Juli 1725 den Grundstein zum Wiederaufbau der zerstörten Brühler Burg legte und die damit verbundene Umgestaltung in ein prachtvolles Barockschloss in Angriff nehmen ließ. Zum Oberbauleiter bestellt er den münsterischen Genieoffizier und Architekten Johann Conrad Schlaun, zum Oberbaukommissar den Freiherrn von Metternich. Allerdings vollendeten diese den Bau nicht alleine, Balthasar Neumann wurde im Laufe der Bautätigkeiten hinzugezogen und wusste die Planungen (sh. unsere Abbildung) nachhaltig zu verändern und den heute weltberühmten Bau zu ermöglichen.

Vor 250 Jahren
Reisebericht aus Brühl
Am 27. Juli 1775 weilte der Weltreisende und Schriftsteller Franz Xaver de Feller in Brühl. In seinem Reisebericht notierte der ehemalige Jesuit darüber folgendes: „Die Leute sind hier verständig, ehrbar, gut und gewissenhaft. Ich hörte Handwerksleute die Psalmen beten, statt zu fluchen. Nur die Sprache ist hier sehr verderbt und nähert sich der sächsisch siebenbürgischen, die auch dem Luxemburgischen gleicht.“ De Feller ließ sich allerdings sehr lobend über sein gutes und billiges Quartier in Brühl aus.

Vor 135 Jahren 
Königlicher Besuch

Seit dem 19. Juli 1890 residierte lhre Königliche Hoheit Prinzessin Friedrich Karl von Preußen im Brühler Schloss. Sie war längere Zeit in unserer Heimatstadt und feierte am 14. September unter großer und freundlicher Anteilnahme der ganzen Bürgerschaft ihren Geburtstag mit Fackelzug, Galatafel und großer Illumination. In der heutigen Zeit schwer vorstellbar, dass sie sich mit den Namen Ihres bereits 1885 verstorbenen Gatten anreden lassen musste. Der eigene, Prinzessin Marie von Anhalt-Dessau wurde mit ihrer Vermählung mit dem Preußenprinzen quasi getilgt, selbst der Vorname wurde nicht weiter in der Öffentlichkeit verwendet. Sie wurde 1837 geboren und starb 1906. Der Chronist berichtet: „Die Prinzessin ist eine freundliche und sehr herablassende Dame, aber leider sehr harthörig“.

Vor 105 Jahren
Georg Grosser kommt nach Brühl
Pfarrer Georg Grosser wurde am 7. Juli 1920 als Seelsorger der evangelischen Gemeinde in sein Amt eingeführt. Er trat damit die Nachfolge von Pastor Richard Frickenhaus an, der seit 1876 in Brühl wirkte und am 1. April 1920 in den Ruhestand getreten war. Auch Grosser war für seine Gemeinde und unsere Heimatstadt segensreich und hoch aktiv tätig, was sich nicht nur in der ihm ehrend zugedachten Straßenwidmung widerspiegelt. Am 4. Juli 1963 trug ihm der Rat der Stadt Brühl die Ehrenbürgerwürde an.

Vor 100 Jahren 
Ende einer Ära

Nach exakt 200 Jahren des Bestehens wurde das Brühler Lehrerseminar und mit ihm auch die angeschlossene Seminarübungsschule am 25. Juli 1925 geschlossen. Unzählige Brühler sind hier in den Genuss besonderer Schulbildung gekommen, die angehenden Lehrer waren an der Übungsschule verglichen zu heutigen Referendaren allerdings unter steter Aufsicht ihrer Ausbilder, welche meist im Status königlicher Räte standen.