Trotz aller Bemühungen ist es dem Festausschuss Brühler Karneval in diesem Jahr nicht gelungen, ein Brühler Dreigestirn zu finden. Das ist schade, hat es aber auch schon in der Vergangenheit gegeben. Inzwischen ist es nicht mehr Bedingung, dass ein Dreigestirn die Brühler Jecken regiert. Auch andere Konstellationen wie Prinzenpaar, Prinz oder Prinzessin sind ausdrücklich erlaubt und auch bereits erprobt, wie sich bei der Regentschaft von Prinzessin Franziska im Jahr 2018 zeigte. Karneval wird in Brühl in der Session 2025/26 auch ohne Dreigestirn gefeiert. Aber macht es dann auch genauso viel Spaß wie mit Dreigestirn. Das wollten wir von den Menschen in der Brühler Innenstadt wissen.


Elke Lindenbach mit Ehemann Andreas:

Mir ist das relativ egal. Ich tue mich etwas schwer damit, auf Knopfdruck zu feiern. Ich feiere ein bisschen Karneval und gucke den Zug an, während mein Mann eher der Karnevalsmuffel ist. Als kölsches Mädche bin ich früher im Zug mitgelaufen. Für den Brühler Karneval ist es schade. Die Frage ist, ob es ein einmaliger Fall bleibt oder eine Tendenz wird. Es wäre fatal, wenn es der Anfang vom Ende wäre. Aber wer tut heutzutage noch etwas für Andere? Die Gesellschaft braucht ganz allgemein mehr an Miteinander und sozialem Engagement, egal ob im Karneval, der Kirche oder im Häkelkurs.


Hans Schneider mit Sohn Leo:

Ich finde das sehr schade. Aber die Jecken finden immer einen Weg. Der Karneval wird aber deshalb nicht halb so schön, denn Karneval in Brühl ist immer schön. Meine Eltern waren früher einmal das Prinzenpaar von Bornheim. Aber das kostet Geld und Zeit und der Arbeitgeber muss auch mitspielen. Deshalb ist es schwer, immer drei Leute zu finden. Ich feiere gerne Karneval.


Norbert Krausen:

Ohne Dreigestirn fehlt dem Brühler Karneval etwas. Die Entwicklung spiegelt leider die Zeit wider. Das Engagement in Vereinen wird weniger. Es wäre tragisch, wenn es kein Dreigestirn geben würde. In diesem Jahr wird es wohl eher „Karneval light“ werden. Ich hoffe, das ändert sich im nächsten Jahr wieder. Sonst wäre es kein richtiger Karneval.


Brigitte Formaini:

Karneval ist nicht so mein Ding. Ich freue mich, wenn die Menschen bei schönem Wetter nach alter Tradition feiern können. Aber natürlich ist es schade für die Leute, die Karneval feiern.


Familie Packard-Das:

Nein, Karneval ist trotzdem schön. Der rheinische Karneval ist aufregend und kein Vergleich zum Fasching in München, den wir kennen. Wir sind sehr gespannt, wie die kommende Session abläuft.


Manuela Streit mit Ehemann:

Wir haben mit Karneval nicht mehr so viel am Hut, für uns ändert sich dadurch nichts. Aber es ist schon etwas traurig, wenn es kein Dreigestirn gibt. Wir haben das mitbekommen. Früher haben wir viel gefeiert und haben zusammen mit dem Kegelclub den Zug geguckt und ein Fässchen aufgemacht.


Jennifer Demmer:

Natürlich ist es nur noch halb so schön. Aber es ist einfach teuer, sich als Dreigestirn zu engagieren. Offenbar wird es nicht richtig gewertschätzt. Karneval ist ein Gefühl und bedeutet Zusammenhalt. Doch unsere Gesellschaft entwickelt sich mehr zur Ellbogengesellschaft. Das kann man ja im Großen sehen. Die ältere Gesellschaft hält mehr zusammen. Die heutige Handygeneration will keinen Einsatz mehr bringen. Geiz ist geil. Ich warte noch auf den großen Knall in der Gesellschaft. Ich feiere gerne Karneval und war früher Mitglied in der Kölner Jan von Werth Gesellschaft. 


Beate Kersting:

Nein, ich glaube, dass es keinen großen Unterschied macht, weil die Menschen Karneval mit oder ohne Dreigestirn feiern. Als Westfälin nehme ich vom Dreigestirn meistens nur die Autos, die Hofburg und den letzten Wagen im Karnevalszug wahr. Den Zug gucke ich mir an. Ich vergleiche den hiesigen Karneval manchmal mit den Schützenfesten in Westfalen. Da würde in der Tat ohne das Königspaar etwas fehlen.


Eine Umfrage von Tobias Gonscherowski (Text) und Bernhard Münch (Fotos)