Vor zwei Jahren wurde von Angelika Hünerbein, Rita Vey, Charlotte Weber und anderen die Idee geboren, im Begegnungszentrum margaretaS in Brühl die über Spenden finanzierte, kostenlose Veranstaltung „Heiligabend in guter Gesellschaft“ ins Leben zu rufen. Alle Menschen aus Brühl, die den Heiligabend lieber in Gesellschaft statt alleine verbringen wollten, waren eingeladen, gemeinsam am 24. Dezember von 15 bis 20 Uhr einen schönen Nachmittag und Abend zu verbringen.

Die Resonanz war so überwältigend, dass nach der Premiere im Jahr 2023 und der Wiederholung im Jahr 2024 die Weihnachtsfeier der besonderen Art auch in diesem Jahr wieder stattfindet. „Im ersten Jahr spricht man noch von einer Innovation, im zweiten von Tradition und ab dem dritten Jahr von Brauchtum“, lacht Angelika Hünerbein. „Wir würden uns freuen, wenn wir Heiligabend in guter Gesellschaft für viele weitere Jahre fest in Brühl etablieren könnten. Zusammen mit ihren Mitstreiterinnen Rita Vey und der neu dazu gestoßenen Angelika Stolze-Caster sprach sie über das Programm in diesem Jahr.
BBB: Frau Hünerbein, stellen Sie unseren Lesern doch bitte noch einmal die Idee und das Konzept von Heiligabend in guter Gesellschaft vor.
Angelika Hünerbein: An keinem anderen Tag im Jahr können sich alleinstehende Menschen so einsam fühlen wie an Heiligabend. Dem wollen wir abhelfen.
Das Menschliche soll bei „Heiligabend in guter Gesellschaft“ im Vordergrund stehen. Wir wollen unseren Gästen unsere Zeit und unser Herz schenken. Heiligabend in guter Gesellschaft findet in diesem Jahr bereits zum 3. Mal statt. Wir rechnen mit etwa 80 bis 100 Gästen, könnten aber auch 120 empfangen. Willkommen sind alle alleinstehenden Brühlerinnen und Brühler ganz egal welcher Herkunft, welchen Alters, welches finanziellen Hintergrundes oder welcher Konfession. Im letzten Jahr waren auch einige jüngere Menschen dabei. Ganz wichtig ist, dass die Veranstaltung kostenlos ist. Ganz dezent werden wir aber auch in einer Ecke eine Spardose hinstellen, falls jemand etwas geben möchte.
Der Einlass ist ab 14:30 Uhr. Das von Uschi Tepasse moderierte Programm startet gegen 15:15 Uhr. Es gibt Kaffee und Plätzchen und abends ein 3-Gänge-Menü. Wir werden Livemusik und Gesang haben, mehrere Musiker werden Weihnachtslieder spielen, deren Texte per Beamer an die Wand gestrahlt werden. Das lädt alle ein, die Lieder mitzusingen. Auch einige Texte werden vorgelesen. Der große Saal im margaretaS wird festlich geschmückt sein. Wir stellen auch einen über Spenden finanzierten vier Meter hohen Weihnachtsbaum auf. Es gibt keine Sitzordnung, die Gäste können Platz nehmen, wo sie wollen. Heiligabend in guter Gesellschaft endet gegen 20 Uhr, weil danach der Kirchenchor den Raum benötigt, um sich für die Weihnachtsmesse einzusingen. Jeder Gast bekommt bei der Verabschiedung ein Geschenk überreicht, so dass alle etwas zum Auspacken haben, wenn sie wieder zuhause sind.

BBB: Wie aufwendig ist die Planung einer solchen Veranstaltung?
Rita Vey: Im Juni fand unser erstes Vorbereitungstreffen statt. Seit September sehen wir uns monatlich und jetzt – je näher der Termin näher rückt – auch immer öfter. Wir haben viele fleißige helfende Hände. Das Team ist größer geworden. Wir sind sehr froh, dass uns auch Valeria Aebert, Engagement Förderin, die nicht nur innerhalb der katholischen Kirche Brühl tätig ist, uns so tatkräftig unterstützt. Bei ihr laufen alle Fäden zusammen. Von Anfang an ist auch Pfarrer Jochen Thull eine große Unterstützung für uns. Schon im ersten Jahr beruhigte er uns, als wir fürchteten, die ganze Veranstaltung könnte kostenmäßig problematisch werden. Er meinte damals beruhigend, wir sollten uns um die Finanzen keine Sorgen machen, dafür werde er bei Bedarf Lösungen finden. Als er uns dann am Heiligabend besuchte und feststellte, dass wir keine Tischdecken hatten, spendierte er uns welche für 2024.
BBB: Wie fielen die Rückmeldungen der Gäste aus?
Vey: Die Resonanz war in den ersten beiden Jahren super. Unsere Gäste waren hellauf begeistert. Wir konnten das Leuchten in ihren Augen sehen, das hat uns sehr berührt. Und viele von ihnen wollen auch in diesem Jahr wieder kommen. Im letzten Jahr waren auch schon mehr Herren unter den Gästen und übrigens auch unter den Helfern als noch im ersten Jahr. So haben wir jetzt einen schönen Mix. Das freut uns sehr.

BBB: Wie zufrieden sind Sie mit der Unterstützung, Spenden- und Hilfsbereitschaft der Brühler Stadtgesellschaft und Unternehmen?
Angelika Stolze-Caster: Die Veranstaltung wäre ohne die breite Unterstützung der Brühler Stadtgesellschaft und der Brühler Unternehmen nicht möglich. Heiligabend in guter Gesellschaft wird komplett über Spenden finanziert. Besonders großzügig halfen der Rotary Club, der Lions Club, die Kreissparkasse, die St. Sebastianus Schützenbruderschaft, Taxi Pohl und die Stadtwerke Brühl. Aber auch die vielen kleineren Spenden aus der Bevölkerung tragen dazu bei, die Kosten für Dekoration, Geschenke, und das Catering, das in diesem Jahr von „Tante Anne“ stammt, zu decken. Das Engagement und die Hilfsbereitschaft der Brühlerinnen und Brühler ist enorm. Dafür möchten wir herzlich Danke sagen.
BBB: Was nehmen Sie selbst von dieser etwas anderen Weihnachtsfeier mit?
Hünerbein: Wir feiern das Fest der Liebe und wollen Menschen, die ansonsten Heiligabend alleine verbringen müssten, eine Freude bereiten. Heiligabend in guter Gesellschaft ist einzigartig in Brühl und wird sogar über die Stadtgrenze hinaus als vorbildlich angesehen. Für uns vom Helferteam bringt die Veranstaltung sehr viel Arbeit mit. Nach den letzten Aufräumarbeiten am 1. Weihnachtsfeiertag sind wir auch körperlich ziemlich platt. Aber es bereitet uns zugleich unendlich viel Freude. Wir sind zutiefst erfüllt. Das spornt uns weiter an. Frei nach Victor Hugo: „Nichts auf der Welt ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“