Bernhard Münch berichtet aus dem Archiv von Jakob Sonntag (1902-1991)

Vor 655 Jahren
Tod auf der Burg

Am 21. Februar des Jahres 1371 legte sich große Trauer über Brühl, denn an eben diesem Tage verstarb auf der kurfürstlichen Landesburg der westfälische Graf Gottfried von Arnsberg. Er wurde seinerzeit als einziger weltlicher Fürst in einem Grabe im Hohen Dom zu Köln beigesetzt. Kinder- und erbenlos übergab er 1368 seine gesamte Grafschaft an Köln und sorgte zugleich dafür, dass er in der Stadt Arnsberg unvergessen blieb: zeitgleich zur Übergabe seines Fürstentums an Köln nämlich schenkt er seiner damaligen Stadt Neheim einen großen Waldbezirk. Seit Jahrhunderten wird mit der „Donatorenfeier“ an diese Schenkung erinnert. Warum aber starb der Fürst in Brühl? Im Zuge der Abtretung seines Besitzes wurde ihm seitens der Kölner die Burg zu Brühl auf Lebenszeit zu Eigentum und Verwaltung überlassen.

Vor 375 Jahren
Promiasyl

Einem echtem „Promi“ - in heutigen Worten formuliert – gewährte Brühl am Brühl am 
9. Februar 1651 Asyl: kein Geringerer als der französische Premierminister Jules Mazarin, kurz zuvor per Parlamentsbeschluss seines Amtes enthoben, war auf der Flucht und suchte, sich vor seinen Landsleuten in Sicherheit zu bringen. Hätte man in Brühl allerdings gewusst, welche katastrophale Folge dieses Asyl für unsere Heimatstadt haben würden, man hätte ihn wohl im hohen Bogen aus der Stadt geworfen. Denn der Diplomat erwies sich auch von Brühl aus als gewiefter Strippenzieher und gewann sehr rasch großen Einfluss auf die kölnische Staatsverwaltung. Die ließ sich von ihm vor den Karren spannen, was letztlich in der Besetzung des Rheinlandes durch die Franzosen gipfelte  und wenig später zur fast völligen Zerstörung Brühls im Jahre 1689 führte.

Vor 265 Jahren
Tod des Kurfürsten

Spricht man in Brühl das Wort Kurfürst aus, so mag vor gut 20 Jahren vielleicht der Kölner Regierungspräsident Antwerpes gemeint gewesen sein, ansonsten kommt einem in Brühl allerdings nur Clemens August, der „Brühler Kurfürst“ in den Sinn. Und eben dieser schloss am 5. Februar des Jahres 1761 auf der Feste Ehrenbreitstein zu Koblenz für immer die Augen. Seine Todesursache – vom Leibarzt wurden starke Bauchschmerzen dokumentiert – blieb letztlich immer ungeklärt. Mit dem Tod in Koblenz jedoch erfüllte sich eine Weissagung der 1744 verstorbenen sagenumwobenen Ordensschwester Creszentia Höß: sie hatte dem baufreudigen Kurfürsten prophezeit,dass er nicht in einem der von ihm erbauten Schlösser sterben werde.

Vor 205 Jahren
Aus Rat und Rathaus
Vom 7. Februar 1821 datiert ein Bericht des Bürgermeisters Adam Josef Scholl, in welchem er seiner vorgesetzten Stelle die Schulsituation Brühl erörterte: „Die armen Kinder werden unentgeltlich unterrichtet, weil der Lehrer und Unterlehrer ein festes Gehalt (zusammen 566 frcs) und ein hohes Schulgeld bekommen. Die Mädchenschullehrerin bekommt von der Armenanstalt zu Brühl jährlich 50 frcs und ein Malter Korn, und der Schullehrer von Kierberg 11 frcs und 60 ct.“ Weiter führte er aus, dass die Heizkosten für die Schulgebäude damals durch die Familien der Kinder erbracht werden mussten.
Mit Datum des 16. Februar 1821 beschloss der Brühler Gemeinderat, das leer stehende ehemalige Klostergebäude dem preußischen Staat zur Errichtung eines Lehrerseminars zur Verfügung zu stellen. Wenig zuvor hatte die hier beheimatete Handelsschule die Tore geschlossen, und so war man glücklich, eine neue und sicher finanzierte Verwendung für das große Gebäude im Herzen der Stadt gefunden zu haben. Und zugleich erste Bande nach Preußen knüpfen zu können. Das langjährige und äußerst segensreiche Wirken des Lehrerseminares hat unsere Heimatstadt bis in die heutigen Tage hinein geprägt und durch den Zuzug unzähliger Akademiker, aber auch durch die nun sehr stark verbesserte Schulbildung für die ortsansässigen Kinder einen intellektuellen Aufschwung hervorgerufen.