Jahrgang 2018
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Bernhard Münch berichtet aus dem Archiv von Jakob Sonntag (1902-1991)

Vor 80 Jahren
Terror und Pogrom in Brühl

Wie in vielen anderen Orten zogen auch in Brühl SA-Abteilungen durch die Stadt, drangsalierten und peinigten jüdische Mitbürger, zerstörten jüdische Geschäfte und steckten die Synagoge in Brand. Im Bericht der zu spät, und nur mit einem Löschschlauch eingetroffenen Brühler Feuerwehr wurde damals „Brandursache: elektrischer Kurzschluss“ vermerkt. Erst als das Feuer drohte, auf die umliegenden Gebäude überzugreifen, wurde man wirklich tätig, die Synagoge war da schon unrettbar verloren. Das im Jahre 1884 erbaute Gotteshaus an der Friedrichstraße wurde durch das gelegte Feuer so stark beschädigt, dass es abgerissen wurde.

Erschreckend auch, dass es in Brühl mehr als 25 Jahre dauerte, bis wenigstens eine kleine Gedenktafel an dieses schreckliche Geschehen erinnerte. Trotz der Bemühungen des Heimatkundlers Jakob Sonntag, der sich immer wieder für die Gestaltung einer würdigen Gedenkstätte einsetzte, dauerte es dann noch bis in die 90er Jahre, bis ein größer angelegtes und sichtbareres Mahnmal errichtet wurde.

Vor 550 Jahren
Brühl wird ausgelöst
Beim Blick auf die Geschichte unserer Heimatstadt begegnen wir vielen bedeutsamen Ereignissen, hin und wieder aber auch kurios anmutenden Chronikeinträgen. Einen solchen finden wir auch im November des Jahres 1468: denn in eben diesem Monat musste Kurfürst Ruprecht von der Pfalz die Stadt Brühl aus der Pfandherrschaft des Ritters Johann von Palant auslösen. Zur Pfandleihe wurde damals eben gleich eine ganze Stadt verwendet.

Von seinem Vorgänger im Amte, dem Kurfürsten Dietrich von Moers hatte Ruprecht zum Amtsantritt im Jahre 1463 seinen Erzstift in völliger Verschuldung und Verarmung vorgefunden. Und er mühte sich redlich, aus Kurköln wieder einen angesehenen und florierenden Kurstaat zu machen.

Und Brühl war ihm ein wichtiges Anliegen. Nach der Auslösung aus der Pfandherrschaft berief Ruprecht die Feste Brühl nämlich zur Haupt- und Residenzstadt. Dies geschah wenige Monate später, am 24. Mai 1469. Ab diesen Tag setzte er seine bis heute bekannte ´Hof und Kanzleiordnung´ ein, und regelte in dieser unter anderem auch den ständigen Verwaltungssitz seiner Herrschaft in Brühl.

Vor 345 Jahren
Auf das falsche Pferd gesetzt
Wieder einmal musste man in Brühl am eigenen Leibe erfahren, wie sich eine verfehlte Politik zusammen mit schlechter Diplomatie zum eigenen Nachteil auswirken können: am 15. November des Jahres 1673 nahm der Prinz von Oranien – er kämpfte an der Seite des deutsche Kaisers – Brühl ein. Man hatte sich damals die falschen Verbündeten ausgesucht, und war nun gegen Kaiser, die niederländischen Truppen und die Heeresführung des Oraniers unterlegen. Kurköln hatte mit der Treue zu den Franzosen schlicht den falschen Verbündeten gewählt und musste bitter dafür büßen.

Vor 295 Jahren
Kurfürst Josef Clemens stirbt
Die Namen und der Prunk der beiden Brühler Schlösser Augustusburg und Falkenlust sind fest verbunden mit Kurfürst Clemens August. Leicht in Vergessenheit gerät dabei, dass es sein Vorgänger, der Kölner Kurfürst Josef Clemens war, der die ersten Pläne zum Wiederaufbau der 1689 von den Franzosen zerstörten Brühler Burg gefertigt hatte. Eben dieser Josef Clemens verstarb am 12. November 1723. Schon 1721 hatte er zuvor seinen Neffen Clemens August zu seinem Coadjutor bestellt, und somit sichergestellt, dass dieser nach seinem Tode die Herrschaft - und mit Erfolg dann ja auch die Aufbaubemühungen - ergreifen konnte. Seit 1688 hatte Josef Clemens den Kurstaat regiert.

Vor 100 Jahren
Brühler Arbeiter- und Soldatenrat
Am 9. November 1918 wurde vom Balkon des Ratskellers die Republik ausgerufen und die Bildung des Arbeiter- und Soldatenrates verkündet. Nach der Abdankung von Kaiser Wilhelm II. leitete dieser Rat einige Wochen lang die Geschicke Brühls. Hauptaufgabe des Rates war, die Koordination der rückkehrenden Soldaten aus dem Westen sowie die Einziehung aller Waffen sicherzustellen.

Vor 30 Jahren
1. Brühler Schweigegang
Am 9. November 1988 zog erstmal ein Schweigegang durch die Brühler Innenstadt, um an die Geschehnisse der Reichspogromnacht zu erinnern. Initiiert von der Brühler Initiative für Völkerverständigung findet dieser Gang seitdem jährlich statt. So soll bezeugt werden, dass die Erinnerung an die Opfer der NS-Terrorherrschaft auch in Brühl lebendig ist. Nicht durch Verdrängen und Vergessen, sondern nur durch Erinnerung an die Leiden aller Opfer von Terror und Gewalt sind Schritte zur Versöhnung möglich.