Jahrgang 2020
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Bernhard Münch berichtet aus dem Archiv von Jakob Sonntag (1902-1991)

Vor 30 Jahren
Ökologische Steuerreform

Die Gedanken zu einer Veränderung unseres Steuersystems ziehen sich durch die Geschichte unserer Bundesrepublik seit deren Existenz. Ob wir hier der berühmt-berüchtigte Bierdeckel betrachten, die lange Diskussion um die Soli oder ganz aktuell die Finanzierungsdiskussion um die Kosten der Coronakrise, immer wieder werden neue Ansätze durchgerechnet und diskutiert. So auch am 5. Dezember 1995, als die Bundesfinanzakademie zu einem offenen Podiumsgespräch unter dem Leitgedanken „Ökologische Steuerreform“ einlud.

Namhafte Fachleute wie Prof. Dr. Hans-Wolfgang Arndt von der Universität Mannheim, Dr. Anselm Görres vom Förderverein ökologische Steuerreform (München), Beate Zimpelmann, Vertreterin der IG-Metall (Frankfurt am Main) sowie Dr. Heribert Zitzelsberger von der Bayer AG (Leverkusen) standen an diesem Tag unter der Gesprächsleitung von Walter Kannengießer von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Rede und Antwort und legten ihre Standpunkte dar.

Vor 410 Jahren
Noviziat eröffnet

Was lange währt, wird endlich gut – dieser Spruch sollte sich auch im Dezember des Jahres 1610 hier in Brühl bewahrheiten, und das mit Nachdruck: der Beschluss zur Einrichtung des Noviziats der Niederdeutschen Ordensprovinz für den Franziskanerorden wurde im Dezember 1610 endlich umgesetzt. Bereits am 12. Mai 1585 war man sich bei einer Tagung des Generalkapitels der Franziskaner in Koblenz darüber einig geworden, die Ausbildung der neuen Mönche in die Stadt vor den Toren Kölns zu verlagern. Eine überaus wichtige und für die weitere Geschichte Brühls bedeutende Entscheidung, bedeutete dies ja, dass der gesamte Ordensnachwuchs sich hier zur Unterweisung einfand. Zudem aber zog dies die gelehrtesten und gebildetsten Männer des Ordens als Lehrherren nach Brühl. Vor den Toren Köln entwickelte sich also ein einzigartiges Kultur- und Bildungszentrum. Dieses hatte Bestand bis zur Auflösung des Klosters im Jahre 1802.

Vor 315 Jahren
Neues Schweidkreuz
Direkt an der Grenze der Weidegerichtsbarkeit zwischen Brühl und Badorf wurde kurz vor dem Jahreswechsel, am 30. Dezember 1705 ein neues Schweidkreuz errichtet. Dies war notwendig geworden, weil das Vorgängerkreuz bei Kriegshandlungen von wüsten Soldatenhänden geschändet und zerstört worden war. So musste nach vorheriger Übereinkunft und Beurkundung durch die offiziellen Stellen ein Nachfolgekreuz beschafft werden, um die zwischenzeitlich offene Rechtslage im Bezug auf die Gerichtsbarkeitsgrenzen schnellstmöglich zu klären. Aufgerichtet wurde das Kreuz den Aufzeichnungen gemäß an der „Bönnsche straß über (oberhalb) dem pfehlen Creutz nach Geyldorff zu“.

Vor 120 Jahren
Einwohnerstatistik
In schöner Gründlichkeit wird auf unseren Amtsstuben so ziemlich Alles in irgendeiner Statistik festgehalten. Und dies nicht erst in unseren Tagen: für den ersten Dezember des Jahres 1885 sind folgende Einwohnerzahlen für Brühl und seine Vororte vermerkt:
Die Stadt Brühl hatte 4.030 Einwohner, davon 3.553 katholisch, 334 evangelisch, 143 israelitisch. Badorf/Pingsdorf meldete 1.950 Einwohner, davon 1.937 katholisch, 2 evangelisch, 11 israelitisch. Kierberg hatte 672 Einwohner, davon 660 katholisch, 12 evangelisch. In Schwadorf zählte man 473 Einwohner, allesamt 473 katholisch. Für Vochem wurden 624 Einwohner gemeldet, davon 623 katholisch und 1 evangelisch. Rechnet man diese Zahlen auf das heutige Stadtbild hoch, so hatte Brühl 7.749 Einwohner, davon 7.246 katholisch (93,51%), 349 evangelisch (4,50%) und 154 israelitisch (1,99%), wie unsere Mitbürger jüdischen Glaubens früher erfasst wurden.

Vor 130 Jahren
Grundstückskauf für das Marienhospital
Aus eigenen Mitteln erwarb der Brühler Oberpfarrer Richard Bertram am 2. Dezember 1890 ein erstes Grundstück an der Mühlenstraße. 7200 Mark kostet das 42 Ar große Gelände der Urkunde von Notar Claasen zu Folge. An dieser Stelle wollte der spätere Ehrenbürger unserer Heimatstadt seine größte Vision für Brühl verwirklichen, die Errichtung eines Krankenhauses. Wie die Leser unserer Chronik wissen, wurde diese Vision mit großem, und bis heute anhaltendem Erfolg in die Tat umgesetzt. Schon 1893 wurde der Grundstein gelegt. In der Pfarrchronik ist zu diesem Ereignis folgendes vermerkt: „Ein großer Festzug bewegte sich von der Pfarrkirche aus über die Kirchgasse, den Markt, die Uhlstraße hin zur Baustelle. An der Spitze des Zuges gingen Kinder mit Fahnen. Weiß gekleidete Mädchen folgten mit dem Grundstein. Die Schwestern, dann die Bauführer, Meister und Handwerker schlossen sich an …“. Und bereits am 18. September 1894 konnte das neue Brühler Krankenhaus eingeweiht werden.

Vor 60 Jahren
Brühler Eigenstatistik
Am 1. Dezember 1960 hatte Brühl 33.505 Einwohner, davon 25.508 katholische, 7.287 evangelische und 710 Andersgläubige. Für den Dezember 2010 weist die Statistik 44.260 Einwohner aus und im Dezember 2020 gibt die Stadt Brühl die Einwohnerzahl mit „ca. 46.000“ an. Hier ist in der Entwicklung der letzten 10 Jahre also eher Stagnation zu verzeichnen. Ein Vergleich mit den Zahlen aus dem Chronikbeitrag zum Dezember des Jahres 1885 macht deutlich, wie extrem das Bevölkerungswachstum in den zurückliegenden Jahren war. In gerade einmal 75 Jahren hatte sich die Einwohnerzahl zum Jahr 1960 beinahe verfünffacht.

Vor 45 Jahren
A553 eröffnet
Am 20. Dezember 1975 konnte das erste Stück der Eifelautobahn dem Verkehr übergeben werden. In den Verlautbarungen hieß es damals: „Diese Autobahn wird demnächst nach ihrer vollständigen Fertigstellung und mit ihren vier Brühler Abfahrten die Rolle einer Brühler Umgehungsstraße übernehmen und den Brühler Durchgangsverkehr erheblich vermindern. Gleichzeitig gewinnt Brühl damit Anschluss an das Verkehrsnetz der Zukunft.“ Elegant formuliert, aber seiner Zeit hätte sich wohl niemand träumen lassen, dass die endgültige Fertigstellung dieser Eifelautobahn auch 45 Jahre später noch nicht abgeschlossen sein würde. Nicht alleine diese Tatsache, sondern auch das auf dem Cover des Albums „aff un zo“ der Kölner Band BAP verewigte „Brückendenkmal“ auf einem Acker zwischen Frauenberg und Elsig in der Eifel können somit als prägnante Belege für die teils extrem fragwürdige Verkehrspolitik herangezogen werden.




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