Jahrgang 2019
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Bernhard Münch berichtet aus dem Archiv von Jakob Sonntag (1902-1991)


Vor 550 Jahren
Brühl wird ausgelöst

Wenn heutzutage über Pfänderhandel gesprochen wird, dann geht es in der Regel um Wertgegenstände, die kurzfristig zu Geld gemacht werden, nicht um ganze Städte. Eine Stadt jedoch, genauer unsere Heimatstadt Brühl, diente vor 550 Jahren als Pfandobjekt, und wurde am 20. Februar 1469 durch eine Vereinbarung zwischen Kurfürst Ruprecht von der Pfalz und Werner von Palandt aus dessen Pfandschaft entlassen. Der Kölner Erzbischof musste damals 8.000 Goldgulden bezahlen, um Brühl wieder in Freiheit und seinen Besitz zu bringen.

Vor 525 Jahren
Päpstliches Breve für Brühler Kloster
Mit päpstlichem Breve vom 24. Februar 1494 wurde dem Orden der Franziskaner von der strengen Observanz feierlich erlaubt, das neu gebaute Kloster am Regierungssitz des Kölner Kurfürsten und Erzbischofen in Brühl zu beziehen. Gezeichnet wurde das Breve unter der Regentschaft von Papst Alexander VI, und auch wenn dessen Nachfolge Petri ansonsten weniger Anlass zur Freude gab, so war seine Entscheidung für Brühl und sein Kloster doch für unsere Stadt von großer und bleibender Bedeutung.

Vor 295 Jahren
Vierter Bischofsstuhl
Aller guten Dinge sind drei – dieser bekannte Sinnspruch hat am 9. Februar 1724 für Kurfürst Clemens August seine Bedeutung verloren. An eben diesem Tag wurde dem Regenten nämlich seine vierte Bischofswürde, und damit sein vierter Bischofsstuhl verliehen: neben Köln, Münster und Paderborn wurde ihm an diesem Tag auch die Leitung des Bistums Hildesheim angetragen. Allerdings wurde die Freude des Monarchen durch das lange Zögern aus Rom doch deutlich getrübt. Die vor dem Amtsantritt benötigte Bestätigung der Wahl durch den Papst wurde erst erteilt, als Clemens August zusicherte, sich alsbald zum Priester weihen zu lassen. Dies geschah dann am 4. März 1725.

Vor 120 Jahren
Weichenstellung für das Gymnasium
Das bereits seit 1879 existierende Progymnasium in Brühl wurde mit Ratsbeschluss vom 3. Februar 1899 in ein Vollgymnasium umgewandelt und entsprechend ausgebaut – und dies nicht nur organisatorisch: denn in der gleichen Sitzung beschloss man außerdem den Neubau eines Gymnasialgebäudes mit Turnhalle an der Friedrichstraße sowie den Bau eines Alumnates für auswärtige Schüler. Dieses Alumnat wurde am 25. April 1900 eröffnet und fungierte auch als Straßenpatron. Die heutige Clemens-August Straße hieß seinerzeit nämlich noch Alumnatstraße.

Vor 120 Jahren
Sammeln für die neue Orgel
Gleichfalls im Februar 1899, am 10. dieses Monats, wurde an St. Margareta für die Neubeschaffung einer Orgel gesammelt. Und dies geschah im Rahmen eines Festkonzertes unter der Leitung des kgl.  Musikdirektors August Wiltberger im Saal des Hotels Belvedere. Immerhin 298 Mark kamen an dem Abend zusammen.

Vor 105 Jahren
Wahlberichterstattung
Bilden Infratest & Co. die aktuellen Wahlergebnisse mehr oder weniger genau bereits wenige Minuten nach Schließung der Wahllokale ab, blicken wir heute einmal – ganz in Ruhe – auf ein Wahlergebnis der Brühler Geschichte zurück, und zwar das der letzten Reichstagswahl im alten Kaiserreich am 17. Februar 1914. Hier das Ergebnis:
Zentrum (Kandidat: Kuckhoff) 2.237 Stimmen; Sozialdemokraten (Sollmann) 640 Stimmen; Nationalliberale (Scaruppe) 178 Stimmen und 7 Stimmen für die Polenliste.

Vor 100 Jahren
Leuchtgasproduktion kommt zum Erliegen
Im Frühjahr sind die Nachrichtensendungen unserer Tage immer wieder geprägt von Warnstreiks, die im Zuge der anstehenden Gehaltsverhandlungen als Druckmittel eingesetzt werden.
Ganz Brühl war vor genau 100 Jahren schon einmal als Streikopfer in Mitleidenschaft gezogen worden, denn durch den Bergarbeiterstreik an der Ruhr, durch den die benötigten Steinkohlelieferungen ausblieben, kam die Produktion des Brühler Gaswerkes und somit die gesamte Leuchtgasversorgung in Brühl am 8. Februar 1919 zum Erliegen.