Bernhard Münch berichtet aus dem Archiv von Jakob Sonntag (1902-1991)

Vor 120 Jahren
Geburtsstunde der Vorgebirgsbahn

Der zwischen den Köln-Bonner-Eisenbahnen und der Berliner Firma Havestadt und Contag am 6. Juni 1899 geschlossene Betriebsüberlassungsvertrag begründete damals den Bau der Vorgebirgsbahnstrecke zwischen Köln und Bonn. Schon 1890 hatte es erste Planungen für diese Bahnverbindung gegeben, um durch die so gewonnene Anbindung des Vorgebirges an den Rhein einen Versand der hier gewonnenen Braunkohle per Schiff zu ermöglichen. Das Vorhaben stieß jedoch damals auf den Widerstand der zuständigen preußischen Verwaltung und ihres Ministers: mit der Begründung, solche Bahnen dürften nicht vor privaten bzw. nicht-staatlichen Interessenten gebaut werden, wurde die benötigte Erlaubnis zunächst noch verweigert. Neun Jahre später dann hatten sich die Bedenken endlich verflüchtigt, und die Nahverkehrsstrecke konnte geplant und vollendet werden.

Vor 290 Jahren
Kurfürstlicher Schützenkönig
250 Gäste „einschließlich Weiber und Witwen“ wurden am 27. Juni 1729 zur kurfürstlichen Tafel geladen und über den gesamten Tag (von mittags bis abends) aufs Reichliste bewirtet. „Durchlaucht haben in eigener Person und deren hohe Minister diesem (dem Festessen) als auch dazwischen mit zwölf Spielleuten durchgeführten Tanzen und Springen huldvollst zugesehen!“ So ist es in der Chronik verzeichnet. Aber was war der Grund?
Auslöser für diese Freudenfeier war die Königswürde der St. Sebastianus-Schützen, die Kurfürst Clemens August an diesem Tage erstmals zuteil wurde.

Vor 120 Jahren
Joseph Hürten wird geboren
Joseph Hürten ist in dieser Chronik gleich doppelt vertreten: vor genau 120 Jahren, am 29. Juni 1899 wurde der spätere Brühler Ehrenbürger geboren. Mehr als 40 Jahre lang war er als Pädagoge in Brühl tätig, davon zwölf Jahre als Rektor der Clemens-August-Schule. Lange Jahre, von 1932 bis 1933 und zwischen 1945 und 1964 war er zudem Mitglied des Brühler Stadtrates. Gleich dreimal wurde er zum – damals noch ehrenamtlichen – Bürgermeister gewählt: 1946-1947, 1950-1956 und 1958-1961 war er der erste Bürger unserer Schlossstadt. 1961 wurde er zum Landrat des ehemaligen Kreises Köln Land gewählt, ein Amt, das er bis 1969 ausübte. Er verstarb am 15. Mai 1977.

Vor 115 Jahren
Gruß am Kreuz vor dem Kölntor
Weihbischof Dr. Joseph Müller, gerade ein Jahr zuvor am 7. Juni 1903 durch Antonius Kardinal Fischer zum Bischof geweiht, wurde am 19. Juni 1904 bei seiner Kirchenvisitation vom damaligen 1. Beigeordneten Brühls, Peter Röllgen, am alten Hochkreuz an der Kölnstraße (das „steinerne Kreuz vor dem Kölntor“) festlich begrüßt.

Vor 70 Jahren
Dechant Fetten stirbt
Der in Brühl noch heute hochgeschätzte Dechant Heinrich Fetten schloss am 4. Juni 1949, dem zweiten Pfingsttag, für immer die Augen. Seine unbeugsame Kritik an den Verbrechen und Verbrechern des Dritten Reiches war es, die Fetten ganz besonders auszeichnete, ihn aber auch offener Anfeindung aussetze. Selbst durch seine Verbannung ließ er sich nicht zum Verstummen bringen.
Die Furcht vor diesem rührigen und aufrechten Geistlichen ging bei den Nazis sogar so weit, dass alle Fotos und Dokumente, die auf seine Existenz deuteten, nach der Verbannung konfisziert und vernichtet wurden. Hierzu wurde sogar eine Haussuchung im Foto-Atelier Neff durchgeführt, bei der alle vorgefundenen Abzüge und Negative zerstört wurden. Erst nach Ende des zweiten Weltkrieges und nach vier Jahren fern von Brühl wurde Fetten von einem britischen Oberstleutnant nach Brühl zurückgeholt, wo er am 5. Juli 1945 von seiner Gemeinde mit dem Klang der letzten an St. Margareta verbliebenen Glocke begrüßt wurde.
Bestattet wurde Fetten auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin im Priestergrab unter dem Hochkreuz auf dem alten Friedhof, im Angesicht seiner Pfarrkirche St. Margareta.

Vor 50 Jahren
„Schaffendes Rheinland“ in Brühl
Mehr als 200.000 Besucher verzeichnete die Ausstellung „Schaffendes Rheinland“ in der Zeit vom 21. bis 29. Juni 1969. Schauplatz dieser Rheinlandschau war damals das Gelände westlich des Bahnhofs Brühl Mitte, wo sich heute der Balthasar-Neumann-Platz befindet. Aussteller aus ganz Deutschland präsentierten sich auf mehr als 30.000 qm Fläche dem interessierten Publikum. Besonders stolz waren die Veranstalter damals darauf, dass auch acht Anbieter aus dem Ausland präsent waren.

Vor 50 Jahren
Ehrenbürgerwürde
Genau einen Tag vor dem 70. Geburtstag des angehenden Jubilars, am 28. Juni 1969, beschloss der Rat der Stadt Brühl einstimmig, dem langjährigen Kommunalpolitiker und Brühler Heimatforscher Josef Hürten die Ehrenbürgerwürde anzutragen. Damit wurde er der vierte Ehrenbürger Brühls seit der Stadtwerdung 1910.

Vor 20 Jahren
Pangäa uraufgeführt
Die traditionelle Jazz Gala im Rahmen des Brühler Marktes 1999 bot den willkommenen und passenden Rahmen für die Uraufführung eines neuen Jazzzyklus des Brühler Komponisten und Musikers Matthias Petzold (www.petzold-jazz.de). Die Bigband der Musikschule der Stadt Brühl brachte das Werk am 6. Juni 1999 unter Leitung von Elmar Frey zum Erklingen.