Jahrgang 2019
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Bernhard Münch berichtet aus dem Archiv von Jakob Sonntag

Vor 75 Jahren
Bomben auf Brühl

Zum 75. Mal jährt sich am 28. Dezember der verheerende Bombenangriff auf Brühl, welcher 180  Todesopfer forderte. Um die Mittagszeit wurde unsere Schloßstadt Opfer eines alliierten Fliegerangriffs, der den südlichen Stadtteil vom Markt an stark verwüstete. Auch die Schloss- und Klosterkirche St. Maria von den Engeln wurde erheblich beschädigt, ihre kostbare Inneneinrichtung weitgehend zerstört. Unser Foto zeigt den Altarraum vor der Zerstörung. Das Marienhospital erhielt ebenfalls mehrere Volltreffer. Die Kranken wurden damals bis in die Nacht hinein in die bombensicheren Kelleranlagen von Schloss Augustusburg evakuiert.

Vor 415 Jahren
Tod auf dem Scheiterhaufen

Anna Schmitz fand am 1. Dezember des Jahres 1604 im Alter von 35 Jahren als Hexe den Tod auf dem Scheiterhaufen. Hierdurch erlangte sie die traurige Berühmtheit, als letzte für die Gerichtbarkeit Brühls überlieferte Frau als Hexe verurteilt und hingerichtet worden zu sein. Wie damals üblich wurde der Dienstmagd von unbekannter Seite die Hexerei nachgesagt, sie wurde festgesetzt, „gütlich und peinlich verhört“ (also so lange gefoltert, bis sie jede ihr zur Last gelegte Tat „gestand“) und anschließend zum Tod durch das „reinigende Feuer“ verurteilt.

Das Urteil war zurückzuführen auf die Constitutio Criminalis Carolina, das unter Kaiser Karl V. eingeführte erste allgemeine deutsche Strafgesetzbuch aus dem Jahre 1532. Im Volksmunde war diese auch bekannt als Carolina (zeitgenössisch auch: des Keysers Karls des fünfften und des heyligen Römischen Reichs peinlich Gerichts Ordnung).

Die Prozessakte schloss damals mit den folgenden Worten: "Darüber ist beharrlich verplipen, also darauff hingerichtet worden Anno 1604 den 1 ten Decembris. Heinrich Mol, Gerichtsschreiber zu Bruel." In Brühl hat man der armen Magd inzwischen eine Straße gewidmet: auf dem Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik in Brühl Ost erinnert die Anna-Schmitz-Straße nun an die Person und das erlittene Schicksal.

Vor 290 Jahren
Dekret wider den Vandalismus

Der 19. Decembris 1729 bescherte den kurkölnischen Landen ein landesherrliche Befehligung, welche als Dekret erlassen, und von den Kanzeln zu verkünden war. Sie wandte sich gegen die mutwillige Zerstörung von Straßenbäumen. Der Ärger der Regierung richtete sich damals gegen die "durch besoffene Bauernknecht“ erfolgte "willmüthige Zerstörung deren an der Cölner Landstraße zum Besten und Zierath des Publici gepflanzten Bäume“.

Derlei Frevel sollte fortan unter Strafe gestellt sein, und mit Kerker und sogar „Staupen-Schlägen" geahndet werden. Um möglichst alle Baumfrevler vor den Richter zu bekommen, wurde denjenigen, die solche Schandtäter meldeten, „der dritte Teil der andictirenden Brüchten“ (Geldstrafen) als Belohnung zugesagt.

Vor 210 Jahren
Hohes Privileg

Heinrich Gareis, Pfarrer in Brühl, und zwischenzeitlich auch als Maire (Bürgermeister) von den französischen Besatzern eingesetzt, wurde am 9. Dezember 1809 zum Mitglied des college electoral bestimmt. Die Mitteilung hierüber wurde ihm durch den Präsidenten dieser in Köln begründeten wissenschaftlichen Akademie, Louis d'Hompechs, persönlich überbracht. Verbunden damit war die Einladung, die Berufungsurkunde am 17. Dezember im Rathause zu Köln entgegenzunehmen. Zuvor musste Pfarrer Gareis den folgenden Eid leisten: " Je jure obéissance aux constitutions de l'Empire et fidélité à l'Empereur " (Ich schwöre Gehorsam der Reichsverfassung und Treue dem Kaiser).

Vor 145 Jahren
Brand der Stadtmühle

In der Neujahrsnacht 1874/75 stand die alte Brühler Stadtmühle in Flammen. Dieser Großbrand, der noch mit Feuerlöschgeräten aus der kurfürstlichen Zeit bekämpft werden musste, und somit die vollständige Zerstörung der Mühle zur Folge hatte, war damals der letzte Anstoß zur Gründung einer Feuerwehr für Brühl.

Vor 65 Jahren
Pfarrer Faßbender nimmt Abschied

„Mit einem herzlichen Lebewohl scheidet von seinem geliebten Schwadorf Pfarrer Faßbender“ – mit diesem letzten Eintrag in die Pfarrchronik von St. Severin zu Schwadorf verabschiedete der langjährige Ortsgeistliche Pfarrer Hermann Faßbender von seiner Gemeinde. Am 9. Dezember 1954 endete damit seine Zeit als aktiver Seelsorger, die er im Jahr 1935 angetreten hatte.

Und in der überaus bewegten Zeit vor, während und auch nach dem zweiten Weltkrieg war Faßbender aktiver Christ, Seelsorger und Aktivist für Frieden und Freiheit. In den neunzehnhundertzwanziger Jahren war er offener Gegner der französischen Gewaltpolitik an der Ruhr, und in der Nazizeit war er einer der eifrigsten Verbreiter der Predigten und Schriften des Münsteraner Bischof Graf von Galen. Nach Krieg und Zusammenbruch nahm er sich auf seine ganz eigene Art der Jugend an: er inszenierte die Schwadorfer Freilichtspiele, zu denen er die Texte aus der Schwadorfer Heimatgeschichte selbst verfasste. Interessierte finden die Manuskripte zu diesen Aufführungen übrigens im Archiv der Stadt Brühl. Sie wurden im Rahmen der Übergabe des Archivs von Josef Burfeid (der am 15. Oktober im Alter von 87 Jahren verstarb) im Juli 2019 in den Bestand aufgenommen.

Seinen wohlverdienten, und durch schwere Krankheit erzwungenen Ruhestand konnte er nicht lange genießen, schon am 6. Oktober 1956 wurde er in Schwadorf zur letzten Ruhe gebettet. Zur ewigen Erinnerung widmeten seine Schwadorfer ihm schon kurz darauf die direkt an der Kirche vorbeiführende Straße.