Bernhard Münch berichtet aus dem Archiv von Jakob Sonntag (1902-1991)

Vor 65 Jahren
Grundsteinlegung

Inzwischen ist es längst schon Geschichte und der Abrissbirne gewichen. An seiner Stelle ist an der Liblarerstraße Wohnbebauung entstanden. Aber am 27. Juni 1957 schlug die erste Stunde von Haus Ehrenfried in Brühl. In der Nachkriegszeit musste der damalige Landkreis Köln eine Unterbringungsmöglichkeit für eltern- und heimatlose Kinder schaffen. Am 5. Januar 1950 wurde entschieden, das ehemalige Brauweiler Rathaus zu einem Kinderheim umzubauen.
Dort wurde das Kreiskinderheim begründet und erhielt seinen Namen im Gedenken an den Stifter der Benediktinerabtei Brauweiler, den Pfalzgrafen Ehrenfried. Aber das Haus war für Verwaltungszwecke gebaut und ungeeignet als Kinderheim. Es kam hinzu, dass die Gemeinde ihr altes Rathaus wenig später wieder als Verwaltungssitz benötigte.
So kam es am 10. Juni 1955 zu dem einstimmigen Beschluss des Kreistages, ein neues Kinderheim zu errichten. Der Kölner Architekt Alois Möhring gewann den Ideenwettbewerb und erhielt am 12. Oktober 1956 den Bauauftrag für ein Kreiskinderheim in Brühl.

Im März 1957 konnte mit den Erdarbeiten begonnen werden. Diese gingen zügig voran, und an eben jenem 27. Juni 1957 konnte der Grundstein gelegt werden. Dieser Stein, ein schwerer Trachyt, war von der im Jahre 1048 errichteten Abteikirche Brauweiler entnommen worden.


Bei der Grundsteinlegung des Kinderheims „Haus Ehrenfried" an der Liblarerstraße in Brühl am 27. Juni 1957 wurde nachfolgender Prolog von zwei Kindern des Heimes, von denen eines die Zeit (Frage) und das andere den Grundstein (Antwort) versinnbildete, gesprochen:

Kind 1:
Du bist so schroff und scheinst gar alt,
Nicht schön ist Deine graue Gestalt.
Doch bist Du stolz und scheinst so froh.
Was ehrt Dich alten Stein denn so?

Kind 2:
Fast tausend Jahr' hab ich getragen
Des hohen Münsters festen Turm,
Hab' Regen, Frost und Schnee ertragen
Und trotzte Donner, Blitz und Sttmm.
Sah viele deutsche Kaiser ziehen
Nach Aachen, zu der Krönung Fest,
Und Menschen aus den Städten fliehen
Vor Not und Tod, Gewalt und Pest.
Ich hört Sankt Bernhards Ruf erschallen
Als in Gefahr das Heilige Land
Und sah die deutschen Ritter wallen,
Die Kreuzesfahne in der Hand.
Ich sah der Zeiten. Komm'n und Gehen,
Sah Gottesfrieden ,und auch Menschennot
Blieb fest im Turm verankert stehen
Als Bomben brachten bittren Tod.

Kind 1:
So lerntest Du der Menschen Not verstehen
In tausendjähriger Geschichte Lauf.
Doch sag mir, alter Stein, was macht Dich freuen?
Was lässt Dich froh sein, trägt man heut' Dir auf

Kind 2:
Zu hoher Aufgab ward ich auserkoren,
Zu starkem Dienst bin ich bereit gestellt.
Wenn auch im hohen Turm den Eckplatz ich verloren,
So ward als Grundstein für das neue Haus ich auserwählt.

Kind 1:
Was ist das für ein Haus, das Du sollst tragen?
Zu welchem Dienst stehst heute Du bereit?
Lohnt sich's mach tausend Jahren diesen Tausch zu wagen?
Welch hoher Aufgab' ist das neue Haus geweiht?

Kind 2:
Ja, gern will ich am neuen 'Hause tragen
Ist's doch ein Haus, das Kindern Herberg gibt,
Mich deucht, das ist kein großes Wagen
Dort mitzuhelfen, wo man Kinder liebt.
Geht's doch darum, Geborgenheit zu Schenken
Dort Heim zu bieten, wo es schuldlos fehlt,
Und heimatlos gewordne Kinder hineinzulenken
Zu sich'rem Schreiten in die kalte Welt.

Kind 1:
Fürwahr, so ist Dein Tun ein edles Dienen,
Und viel Vertrauen schenkt man Deiner Kraft.
Mög' dieses Werk, das Menschen heut beginnen,
Der Herrgott segnen, der das Gute schafft.


Bis zur letzten Stunde wurde gearbeitet, und als am Samstag, dem 20. September die ersten Kinder ankamen, war das Heim noch längst nicht „schlüsselfertig und besenrein“. Der weitere Ausbau ging dann schnell vonstatten und am 3. Dezember 1958 fand die Einweihung statt.

Angelegt war Haus Ehrenfried als weiträumige, im Pavillonstil erbaute Anlage. Fünf Einzelhäuser, durch gedeckte Flure und Verbindungsgänge miteinander verbunden, beherbergten die verschiedenen Einrichtungen. Ein Haus war den Wirtschaftseinrichtungen vorbehalten sowie Wohnräumen des Hauspersonals. Ein weiteres für die Klausur der Ordensschwestern, die Kapelle und die Gemeinschaftsräume, drei Häuser für insgesamt fünf Wohneinheiten der Kinder. Ausgelegt war Haus Ehrenfried für bis zu 100 Kinder. Bis 1965 führten Ordensschwestern von der Genossenschaft der Cellitinnen das Haus. 1983 wurde die Einrichtung geschlossen.

Vor 100 Jahren


Sparkassenfusion
Das in den letzten Jahren immer wieder zu erlebende Fusionieren von Bankhäusern ist keineswegs eine Errungenschaft unserer Tage: bereits vor 100 Jahren erlebte Brühl seine erste Bankenhochzeit: am 12. Juni 1922 beschloss der Brühler Rat, seine städtische Sparkasse nach gut 25 Jahren der Eigenständigkeit mit der „Spar- und Darlehenskasse des Landkreises Köln“ zu verschmelzen.

Vor 60 Jahren
Neubau für Marienhospital
Am 19. Juni 1962 konnte ein groß angelegter Neubautrakt insbesondere für die chirurgische Abteilung des Marienhospitals eingeweiht werden. Das Hospital beschritt damit weiterhin den Weg einer modernen und leistungsfähigen Klinik mit damals bereits 300 Betten.

Vor 55 Jahren
1. Brühler Brunnen
Im Juni 1967 wurde in unserer Heimatstadt der erste öffentliche Brunnen in Betrieb genommen. Auf dem Platz vor St. Margareta wurde ein über Spenden finanzierter und von dem Kölner Bildhauer Olaf Höhnen geschaffener Brunnen mit dem Standbild des Heiligen Franziskus aufgestellt. Der Brunnen ist inzwischen längst zurückgebaut, das Werk Höhnens hingegen steht immer noch auf dem Heinrich-Fetten-Platz.