Jahrgang 2022
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Bernhard Münch berichtet aus dem Archiv von Jakob Sonntag (1902-1991)

JULI

Vor 295 Jahren
Grundsteinlegung in Brühl

Heute als Welterbestätte ein Kleinod unseres kulturellen Erbes, wurde der Grundstein für Schloss Falkenlust am 16. Juli 1727 gelegt, das 300-jährige Jubiläum ist damit bereits in Sichtweite. Natürlich war es Kurfürst Clemens August, der diesen Grundstein legte, sein Wirken hat in und für Brühl bis auf den heutigen Tag wohl die deutlichsten Spuren in unserer Stadtgeschichte hinterlassen. Der Name verrät es ja bereits, das Lustschloss ließ sich der Kurfürst zur Ausübung seines Lieblingshobbys, der Falknerei erbauen.

Vor 670 Jahren
Brühl ist Kaiserstadt
Wieder einmal zog Brühl im Juli des Jahres 1352 die Aufmerksamkeit weg von Köln hin auf unsere kleine und beschauliche Provinzstadt: niemand geringeres als der damalige Kaiser Karl IV residierte hier und hielt Hof. Warum? Derselbe Grund, der auch schon Erzbischof Siegfried von Westernburg nach Brühl „getrieben“ hatte: die Missachtung der Kölner. Der Kaiser hatte sich auf dem Weg zu seiner zweiten Königskrönung in Köln nicht mit den ihm gebührenden Ehren empfangen gefühlt, und war kurzerhand nach Brühl weitergezogen. Hier wartete er dann ab, bis sich die Kölner bereitfanden, ihn gebührend zu empfangen. Dieser kurze Aufenthalt des Kaisers war für Brühl von großer Bedeutung und wurde nicht zuletzt in Köln mit großem Missfallen beobachtet.

Vor 575 Jahren
Brühl wird verpfändet
Gleich mehrfach ist Brühl in seiner Stadtgeschichte verpfändet worden, um als Schuldpfand für die jeweilig Herrschenden zu dienen. Am 2. Juli 1447 war es der Kurfürst und Erzbischof Dietrich von Moers (1414 - 1462) dessen Schuldenlast Brühl mit Stadt, Amt und Burg Brühl zum Pfandwert mache: heute würde man es „Finanzkonsortium“ nennen, damals ging unsere Heimatstadt an den Ritter Werner von Palandt und seine Gefolgschaft.

Vor 290 Jahren
Großmeister Clemens August
Bauen war und ist kostenintensiv, insbesondere Bau und Unterhalt von Schlössern. Und so kam es unserem Kurfürsten sehr zu Pass, dass er am 17. Juli 1732 nach seiner Wahl in Mergentheim zum 49. Hochmeister des Deutschen Ordens geschlagen wurde. Denn mit diesem Amt waren sehr große Finanzmittel verbunden, die der Kurfürst nun zur Durchführung seiner kostspieligen und aufwendigen Bauvorhaben nutzen konnte. Wir können uns somit nicht zuletzt wegen dieser Wahl bis heute an diesen Prunkbauten erfreuen.

Vor 270 Jahren
Clemens August öffnet seinen Park
Heute nutzt nicht nur die Brühler Bevölkerung den Schlosspark zum Flanieren und Entspannen, Gäste aus aller Herren Länder bewundern die Pracht der Natur im Herzen unserer Schlossstadt. Am 7. Juli 1752 unterzeichnete Kurfürst Clemens August eine Parkordnung, wonach der Brühler Park allen Bürgern offenstehen solle, jedoch unter der Voraussetzung, dass vor allem "Soldaten, Studenten, Handwerksleute, Knechte, Mägde und allerhand schlechte Leute" daraufhin überwacht würden, „dass sie keine Bäume, Hecken und Gewächse verderben und auch die Enten und Schwäne, die zu höchst Ihrer Lust gehalten werden, nicht schädigen und verderben.“ Der Fürst war also durchaus der Bevölkerung zugetan, aber eben nur, solange es seiner Erbauung im Park nicht abträglich sein würde.

Vor 270 Jahren
Bischofsweihe in Brühl
Priester, oder gar Bischofsweihen erleben wir in unseren Tagen sehr selten, und wenn, dann im Kölner Dom. Das war zu Zeiten von Clemens August gänzlich anders. Er nahm seine Weihen dort vor, wo er sich gerade aufhielt. Und so wurde das beschauliche Brühl am 2. Juli 1752 Schauplatz einer prunkvollen Bischofsweihe. Als Erzbischof von Köln konsekrierte er in Brühl den Grafen von Gondola zum Bischof von Tempe und ernannte ihn gleichzeitig zum Weihbischof von Paderborn.

Vor 245 Jahren
Paulus Mauel stirbt
Am 15. Juli 1777 verstarb in Brühl Pfarrer Paulus Mauel. Er war seit 1741 an St. Margareta tätig und wurde im Chor seiner Pfarrkirche beigesetzt. Er ließ ein - für die damalige Zeit sehr teures und kostspieliges Pastorat erbauen, welches bis zum September des Jahres 1900 der Sitz der Brühler Pfarrer war, bevor es dann unter Richard Bertram zum Preis von 180 Mark an den Pingsdorfer Metzgermeister Mees zum Abbruch verkauft wurde.

Vor 220 Jahren
Ende des Franziskanerklosters
Durch die Umsetzung des französischen Konsularbeschlusses vom 9. Juni 1802 fand das Brühler Kloster der Franziskaner am 23. Juli desselben Jahres ein zwangsweise verordnetes Ende. Es wurde aufgelöst. Das bewegliche und unbewegliche Eigentum des Klosters fiel entschädigungslos an die französische Domänenverwaltung. Der Konvent bestand zur Zeit der Auflösung aus 14 Patres und 6 Brüdern.

Vor 210 Jahren
Neuer Schuldirektor
Am 1.Juli 1812 übernahm der aus Köln stammende Johann Kaspar Schug die Leitung der Brühler höheren Schule. Diese war nach der Vertreibung der Franziskaner im Jahre 1802 als Nachfolgeeinrichtung der Klosterschule eingesetzt worden. Nach dem Abzug der Franzosen im Jahre 1814 blieb Schug bis zu seinem Tod am 9. März 1818 als Direktor der Handlungs- und Erziehungsanstalt Brühl im Amt.

Vor 160 Jahren
Gründung des Rheinischer Sängerbundes
Am 6. Juli 1862 gründeten die Vorstände von 14 rheinischen Gesangvereinen in Brühl den Rheinischen Sängerbund. Bis zum Jahre 1861 blieb diese Vereinigung eigenständig, schloss sich dann dem inzwischen überregional gegründeten Deutschen Sängerbund an.

Vor 130 Jahren
großherzige Schenkung
Wilhelm Spickermann, ein in der Uhlstraße ansässiger Kaufmann schenkte der Brühler Kirchengemeinde am 19. Juli 1892 ein Gartengrundstück an der Mühlengasse zum Bau einer Kinderbewahrschule. Auf diesem Grundstück wurde später dann das Josefshaus gebaut, das über lange Jahre den katholischen Kindergarten beherbergte. Nach der Zerstörung wurde dieses Josefshaus, welches den älteren unserer Mitbürger noch in guter Erinnerung sein wird, leider nicht mehr aufgebaut. Nachdem es lange Zeit als unbefestigter Parkplatz diente, ist hier inzwischen ein moderner Neubau mit mehreren Arztpraxen entstanden.

Vor 115 Jahren
städtische Stromproduktion
Die Energieknappheit ist aktuell in aller Munde, am 1. Juli ist es nun genau 115 Jahr her, dass die Stadt Brühl auf dem Grundstück des Gaswerkes an der Mühlenstraße die Eigenproduktion von elektrischem Strom aufnahm. Dieser ab 1907 mittels eines Sauggasmotorantriebes erzeugte Strom fand im ersten Jahr insgesamt bei 49 Haushalten Abnahme, die Verbraucherzahl stieg aber schon bald sprunghaft an. Die für die Stadt unrentable Eigenproduktion gab man in Brühl jedoch schon 1912 auf und schloss einen Abnehmervertrag mit RWE. Zu Ende des städtischen Betriebs Ende 1911 hatte man 155 Kunden, die zusammen 85.000 kWh abnahmen.

Vor 70 Jahren
Tod von Professor Josef Nießen
Der Gründer und langjährige Vorsitzende des Brühler Eifelvereines, der ehemalige Seminaroberlehrer Professor Josef Nießen verstarb am 7. Juli des Jahres 1952 in Bonn. Seine Verdienste um Brühl erwarb sich Nießen nicht nur im Bereich des Eifelvereins, sondern auch als Herausgeber der ersten Brühler Heimatblätter.
 



AUGUST

Vor 720 Jahren
Friedensvertrag
War und ist Brühl immer die Kleinstadt im Schatten Kölns, so hatte man doch nach der Stadtgründung in Köln einen gehörigen Respekt vor der neuen Stadt. Und so schlossen der Erzbischof Wigbold von Holte und König Albrecht von Habsburg am 24. August des Jahres 1302 einen klar formulierten Friedensvertrag, in dem folgendes zu lesen ist: "Ez sol auch von der burg und statt zu dem brüle der statt und den Burgern von Kolen hernach in keinerzit kein schade geschehen, also daz dieselbe veste von der brüler burg und statt oder ihr hintersezzen von der statt zu Kolen nit geletzt oder beschwert werden. Dez sulen sie bedenhalben an einander brief geben.“

Vor 375 Jahren
Die Hessen kommen
„Erbarmen, zu spät, die Hessen kommen“ - dieser Ausspruch, der in unseren Tagen eher einen lustigen Beiklang hat, wurde am 25. August 1647 bittere Wahrheit in und für Brühl: dieser Tag sollte zu einem der dunkelsten Tage unserer Stadtgeschichte werden. Die mit den Franzosen verbündeten Hessen nahmen in den Wirrungen des Dreißigjährigen Krieges die Stadt und Burg nach mehreren vergeblichen Versuchen ein und wüteten hernach grausam. Selbst in den Mauern der ehrwürdigen Klosterkirche fanden die Bürger keinen Schutz und wurden auch dort niedergemetzelt. Diese Geschehnisse des Hessenüberfalles auf Brühl sollten später den Grundstoff für den Brühler Heimatroman 'Hessenkreuz' von Franz Evers bieten.

Vor 220 Jahren
Letzter Gottesdienst der Franziskaner
Nach der zwangsweisen Schließung des Franziskanerklosters wenige Tage zuvor, fand am 2. August 1802 der letzte Gottesdienst der Franziskanermönche in der Kloster- und Schlosskirche statt. Auch wenn der Säkularisationsbeschluss vom 23. Juli 1802 umgesetzt werden musste, verdankte es Brühl der Tatsache, dass mit Pfarrer Gareis der damalige Maire (Bürgermeister) gleichzeitig dem geistlichen Stand angehörte, dass das Kircheninventar damals nicht unter den Hammer kam und erhalten geblieben ist.

Vor 205 Jahren
Kronprinz zu Gast in Brühl
Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen weilte am 7. August 1817 in Begleitung von Staatskanzler Fürst Hardenberg in Brühl. Bei seinem Aufenthalt besichtigten die Beiden unter anderem mit großem Interesse die Brühler Schlösser und zeigten sich mehr als angetan.

Vor 190 Jahren
Ignatz Seidlitz stirbt
Mit Ignatz Seidlitz verstarb am 21. August des Jahres 1832 ein ebenso angesehener, wie auch umstrittener Brühler Bürger. Als Besitzer des Hauses 'Zum Stern' (Haus Moons) gehörte der Kaufmann Seidlitz der oberen Bürgerschicht an. Zu Beginn der Franzosenzeit war er es, der die von den Besatzern geforderten 300 Sack Getreide liefern konnte, und der Stadt so die Plünderung ersparte. Allerdings bedurfte es nach dem Abzug der Franzosen dann langer und schwieriger Verhandlungen, um das ihm als Pfand überlassene Königssilber der Sebastianus-Schützen wieder auszulösen. Hier hatte Seidlitz sich dann nicht nur Freunde gemacht.

Vor 125 Jahren
Grundstückskauf
Wenn in der Stadtchronik der Name Richard Bertram in Zusammenhang mit einem Grundstückskauf Erwähnung findet, dann dies eigentlich immer in Verbindung mit dem Bau oder der Erweiterung des Marienhospitals. Am 11. August 1897 war dies allerdings einmal nicht der Fall. An diesem Tag unterzeichnete er den Vertrag zum Ankauf eines Grundstückes in Kierberg, um hier eine neue Pfarrkirche errichten zu lassen. Dieser Kauf war damals der erste Schritt zu einer selbstständigen Pfarrei Kierberg.

Vor 110 Jahren
Neue Ausstattung für die Feuerwehr
Mit Stolz und Freude blickte man im Kreise der Brühler Feuerwehr am 23. August 1912 auf die neue Ausstattung, die man an diesem Tag erhalten hatte: dies waren ein großer Mannschafts- und Gerätewagen sowie eine ausziehbare Drehleiter. Dieser topmoderne und technisch hochwertige Feuerwehrwagen war natürlich pferdebespannt. Zu seiner Unterbringung war denn auch gleich ein vergrößertes 'Spritzenhaus' erforderlich.

Vor 105 Jahren
letzter gekrönter Besuch
Nur wenige Stunden weilte Kaiserin Auguste Viktoria am 22. August 1917 auf Schloss Augustusburg in Brühl, nichts ahnend, dass dies ihr letzter Besuch hier in Brühl sein würde. Nach der Ankunft und einer kurzen Zeit der Entspannung nahm sie auf der Schlossterasse ihren Tee ein und reiste gleich wieder mit Gefolge und Gepäck ab.
Mit der Abdankung ihres Gemahls, Kaiser Wilhelms II. im Jahr 1918, ging die Zeit Deutschlands als Monarchie zu Ende, und so war sie damals das letzte gekrönte Haupt aus deutscher Regentschaft, das in Brühl zu Gast war.

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