Bernhard Münch berichtet aus dem Archiv von Jakob Sonntag (1902-1991)
Vor 110 Jahren
Krankenhauserweiterung

Am 16. Dezember 1915 erweiterte Richard Bertram das Areal des inzwischen verwirklichten Krankenhausbaus in Brühl durch Zukauf des benachbarten Garten der Geschwister Nonnen zum Preis von 12.500 Mark. Der seinerzeit vorgetragene Einspruch der Stadt Brühl vor der Bezirksregierung in Köln blieb zum Glück ohne Erfolg. Als Begründung gab Bürgermeister Heinrich Tück an, dass die Stadt durch den Verkauf einen erheblichen Schaden durch den Ausfall von Straßenbaugebühren erleiden werde.

Vor 415 Jahren
Noviziat in Kloster
Im Dezember 1585 begann für unsere Heimatstadt Brühl gleichsam die Zeit als Bildungsstadt. Was sich in unseren Tagen mit dem Polizei-Ausbildungszentrum Brühl, der Hochschule des Bundes, der Bundesfinanzakademie (die allerdings nach Berlin abwandern soll) und einen breiten Schulspektrum präsentiert, fand damals seinen Anfang: das Noviziat der Niederdeutschen Ordensprovinz des Ordens der Franziskaner öffnete im Dezember 1610 im Kloster zu Brühl seine Pforten. Schon am 12. Mai 1585 war man sich bei einer Tagung des Generalkapitels der Franziskaner in Koblenz darüber einig geworden, die Ausbildung der neuen Mönche in die Stadt vor den Toren Kölns zu verlagern. Nach der Eröffnung zog es fortan die gelehrtesten und gebildetsten Männer des Ordens als Lehrherren nach Brühl. Bis zur Auflösung des Klosters im Jahre 1802 hatte diese Tradition Bestand, hernach beherbergt das Gebäude allerdings immer wieder Bildungseinrichtungen, von der Seminarübungsschule des Lehrerseminars bis zur Berufsschule, die ehemals heiligen Hallen sahen immer wieder neue Generationen von Schülern und Pädagogen.
Vor 320 Jahren
Kreuzerrichtung
Schwaidtkreuze dienten unseren Vorfahren als Grenzmarkierungen für Weiderechte und Gerichtsbarkeiten, also festgelegte Flurgrenzen. Ein solches Kreuz wurde am 30. Dezember 1705 zwischen Brühl und Badorf errichtet. Das bislang dort aufgestellte Kreuz war zerstört worden und so bestand dringender Bedarf, die Grenzen und damit die Zuständigkeiten wieder klar zu regeln. Aufgerichtet wurde das Kreuz den Aufzeichnungen gemäß an der „Bönnschen Straß“ über „dem pfehlen Creutz nach Geyldorff zu“.
Vor 140 Jahren
Einwohnerstatistik
Statistiken sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Aber diese sind keinesfalls erst eine Errungenschaft der letzten Jahre oder Jahrzehnte, wie uns schon der Blick in die Weihnachtsgeschichte der Bibel vor Augen führt: Die Volkszählung ist damit zugleich ebenfalls als uralte Institution identifiziert. Für den 1. Dezember des Jahres 1885 finden sich mehrere Gemeindestatistiken, die zusammengefasst die Einwohnerzahl für Brühl (wir zitieren die damaligen Begrifflichkeiten) in den heutigen Grenzen ergibt.
Für Brühl in seiner damaligen Stadtgrenze (heute in etwa die Innenstadt) lesen sich die Zahlen so:
Einwohner: 4.030 – davon 3.553 katholisch, 334 evangelisch, 143 israelitisch.
Hinzu kommen nun noch die heutigen Vororte, für die es damals bereits „Zahlen“ gab:
In Badorf/Pingsdorf sahen die Zahlen so aus:
Einwohner: 1.950 – davon 1.937 katholisch, 2 evangelisch, 11 israelitisch.
Kierberg lieferte die folgenden Zahlen:
Einwohner: 672 – davon 660 katholisch, 12 evangelisch, 0 israelitisch.
Aus Schwadorf wurden gemeldet:
Einwohner: 473 – davon 473 katholisch,
0 evangelisch, 0 israelitisch.
Mit diesen Zahlen war Vochem vertreten:
Einwohner: 624 – davon 623 katholisch, 1 evangelisch, 0 israelitisch.
Saldiert: 7.749 Einwohner, davon 7.246 katholisch (93,5%), 349 evangelisch (4,5%) und 154 israelitisch (2%).
Heute leben wir mit ca. 45.000 Einwohnern auf demselben Areal.