Jahrgang 2006
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Beim Kanufahren hat man Action, Spaß und Natur pur”

Ganz Deutschland fiebert in diesen Tagen mit der Nationalmannschaft beim Sportereignis des Jahres mit. Die Fußball-Weltmeisterschaft elektrisiert die Massen. Doch auch in anderen Sportarten stehen internationale Titelkämpfe an, die leider von der alles überstrahlenden WM in den Schatten gestellt werden. Dabei greift auch ein Brühler Spitzensportler nach den Sternen. Sein Name: Normen Weber. Sein Pech: Er ist erfolgreich in einer Randsportart, genau genommen im Kanusport. Seine WM findet vom 13. bis 17. Juni in Karlovy Vary statt. Der Brühler Bilderbogen hat ihn besucht.
 
Das schmucke Vereinshaus der Faltbootfreunde Brühl steht direkt hinter der Tribüne des Fußballplatzes in Brühl-Heide, auf dem Viktoria Gruhlwerk seine Heimspiele austrägt. Daneben ist der örtliche Schützenverein beheimatet. Zwischen Bolzen und Ballern haben es sich die Wassersportler gemütlich gemacht. Bis zum Heider Bergsee sind es nur ein paar Schritte. Dort sind sie in ihrem Element.
 
Normen Weber schaut hier jeden Mittwoch vorbei. An diesem Tag ist trotz des miesen Wetters viel los. Eine Schulklasse ist der Einladung gefolgt und lässt sich von Normen und anderen Helfern in die Geheimnisse des Kanufahrens einweihen. Mit acht Kindern an Bord eines Wanderbootes paddelt der 20-jährige gebürtige Berliner kreuz und quer über den Heider Bergsee. Die Kids sind mit großem Spaß bei der Sache.
 
So ähnlich wurde auch bei Normen Weber selbst die Begeisterung für den Kanusport geweckt. Ihm wurde sie beinahe in die Wiege gelegt. Als ich ein Jahr alt war, ist meine Mutter mit mir über die Berliner Seenplatte gepaddelt”, erzählt er. Dann zog die Familie nach Köln um, wo der kleine Normen mit sieben Jahren sein erstes Rennen fuhr, sich völlig verausgabte und heulend ins Ziel kam”. Das hielt ihn aber nicht davon ab, weiterzumachen.
 


 
Erstes Rennen von Poll nach Deutz
 
Als es ihm auf der so genannten Flachbahn” zu langweilig wurde, wechselte er mit zehn Jahren die Disziplin und stieg in den Wildwasser-Rennsport um, einem ziemlich anspruchsvollen Sport”, in dem Abfahrtsrennen gefahren werden. Die nicht immer gleichen Strecken, die Abwechslung und die Schwierigkeiten motivierten mich zum Training im Abfahrtsboot”, erinnert er sich. Sein erstes Rennen ging auf dem Rhein von Poll bis Deutz. Diesmal war er direkt erfolgreich, und das blieb dann auch so bis heute. Seine Mutter Antje, die selbst nach wie vor gerne im Boot sitzt und ihn früher trainierte, hatte ihn da schon längst bei den in Fachkreisen als Canadier-Hochburg” bekannten Faltbootfreunden in Brühl angemeldet.
 
Mit 13 Jahren spezialisierte sich Normen Weber mehr und mehr auf den Canadier Einer (C1). In dieser Bootsklasse sitzt der Athlet nicht, er kniet. Außerdem wird der C1 nur auf einer Seite gepaddelt, wobei es sich immer mehr entwickelt, das Paddel zu schmeißen”, d.h. beidseitig zu fahren”, erklärt Normen Weber. Das hat den Vorteil, dass die asymmetrische Haltung nicht, wie viele meinen, zu Haltungsproblemen führt, da so beide Seiten belastet werden.” Die Technik erlernte er schnell, auch elementare Dinge wie die Rolle im Boot auf dem Bach oder ein Wildwasser lesen” zu können. Den Fachleuten blieb das Talent des Jungen nicht verborgen. Manfred Harzheim wurde in Brühl sein Trainer, die nationalen und internationalen Wettkämpfe begannen, Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Erst bei den Junioren, dann bei den Senioren.
 

 
Beeindruckende Erfolge
 
Normen Weber war mit 17 Jahren bereits dreifacher Junioren-Weltmeister und errang bis heute 13 Deutsche Meistertitel. Im vergangenen Jahr baute er erst sein Abitur (Notendurchschnitt 2,0) und holte anschließend bei der Europameisterschaft in Chalaux mit der Mannschaft die Bronzemedaille. Seit dem 1. Dezember 2005 gehört er der Sportfördergruppe der Bundeswehr an, durch die er sehr gefördert wird und sich tagtäglich auf seinen Sport konzentrieren kann. Auch von der Sporthilfe gibt es einen kleinen monatlichen Zuschuss. Und schließlich wird Normen Weber von zwei Sponsoren unterstützt: der Paddelhersteller Erich Schlegel sowie die Familie Wirtz, die ein Brautmodegeschäft besitzt.
 
Doch Reichtümer lassen sich mit dem Sport nicht verdienen, ganz im Gegenteil. Da der Wildwasser-Kanusport keine olympische Disziplin ist, müssen sich die Sportler vergleichsweise mit Peanuts begnügen. Zum Vergleich: Der Deutsche Kanu-Verband fördert die Flachbahner” jährlich mit zwei Millionen Euro und die Slalomfahrer” mit einer Million. Die Wildwasserkanuten werden mit 40.000 Euro abgespeist, und selbst die sollen jetzt gestrichen werden. So kommt es, dass Normen Weber oft Geld zuschießen muss, um seinen Sport auszuüben. Und die Ausrüstung ist auch nicht gerade billig. Ein gutes Rennboot kostet schnell 1.500 Euro, ein Paddel etwa 250 Euro, die Neoprenkleidung nochmals 250 Euro und Helm, Spritzdeck und Schwimmweste noch einmal ein hübsches Sümmchen.
 

 
120 Rennen pro Jahr
 
Doch Normen Weber ist seinem Sport verfallen. Man hat Action, Spaß und Natur pur. Es ist abwechslungsreich und spannend. Und wie in jedem Verein gibt es dieses Gemeinschaftsgefühl, ein tolles Miteinander.” Normen Weber, der später einmal auf Lehramt studieren oder eine Aus -bildung in der Steuerverwaltung absolvieren möchte, trainiert für seine rund 120 Rennen pro Jahr zwar meistens in Köln auf dem Fühlinger See, ist aber auch gerne und regelmäßig in Brühl. Er hat bereits seinen Trainer C-Schein gemacht und ist als Jugendwart in die Vereinsarbeit der Faltbootfreunde eingebunden. Er organisiert die eingangs beschriebenen Tages-Kanu-Schnupperkurse” für Schulklassen ebenso wie die beiden Erlebniswochenenden für Groß und Klein”, die am 22./23. sowie 29./30. Juli vom Verein angeboten werden. Die Kosten (alles inklusive) für ein solches Wochenende betragen: Kinder 40 Euro, Erwachsene 60 Euro, eine Familie (zwei Erwachsene, ein Kind) 140 Euro. Anmeldung und weitere Informationen per E-Mail bei Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder telefonisch unter 0221/7603129.
 
Zuvor aber hat sich Normen Weber noch einiges für die Weltmeisterschaft in Karlovy Vary Mitte Juni vorgenommen. Dafür trainiert er täglich auf dem Wasser, wo er mehrere Kilometer paddelt, bei Ausgleichssportarten wie Fußball und im Kraftraum. Zwei Medaillen will der sympathische Kanute holen, möglichst einmal Weltmeister werden und schnellster Canadier Deutschlands sein. Wir drücken ihm die Daumen, dass er es schafft. Mehr Informationen über Normen Weber und den Kanusport gibt es übrigens auch auf seiner hervorragenden Homepage im Internet unter: www.normen-weber.de.
 
Tobias Gonscherowski