Jahrgang 2006
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Jugendliche nicht auf die Straße setzen”

Sein 30-jähriges Bestehen feiert in diesem Jahr der Brühler Ortsverband des Deutschen Kinderschutzbundes. Wir haben die Vorsitzende Heidi Bär-Heinz im Büro des Vereins in der Liblarer Straße besucht und mit der zweifachen Mutter über die Aufgaben, Ziele und Wünsche des Kinderschutzbundes in Brühl gesprochen. Weitere ausführliche Informationen über die vielfältige Arbeit und Angebote des Vereins finden Sie im Internet auf der gelungenen Homepage unter: www.kinderschutzbund-bruehl.de.
 

BBB: Was ist an Aktivitäten anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Kinderschutzbundes in Brühl geplant?

Heidi Bär-Heinz: Wir verteilen die Aktivitäten über das ganze Jahr. Die Saisoneröffnung ist gerade gewesen. Wir bereiten jetzt vor allem zwei weitere Projekte vor. Zum einen die Ausstellung über unsere Arbeit in der Rathausgalerie, die vom 10. bis 24. Oktober gezeigt wird. Dabei werden wir eine Art Festakt als Midisage” während der laufenden Ausstellung veranstalten. Wir zeigen einen Überblick über die jetzigen Aktivitäten und wollen auf aktuelle Themen eingehen und weniger auf die letzten 30 Jahre zurückblicken. Zum anderen bereiten wir unser Projekt der Zeitgeschenke” vor, das wir zuletzt vor fünf Jahren sehr erfolgreich durchgeführt haben. Alle Bewohner und Vereine der Stadt Brühl sind aufgefordert, daran teilzunehmen. Jeder bestimmt dabei selbst, was er in welchem Umfang und für wieviele Kinder an Zeit und interessanten Projekten schenken kann. Im Rahmen der Aktion Ab in die Mitte” wollen wir zusammen mit dem Kinderbüro der Stadt Brühl das größte Paket in Nordrhein-Westfalen schnüren. Und dieses Paket wollen wir zu unserem Geburtstag den Kindern schenken und sie es auspacken lassen.

BBB: Wie kinderfreundlich ist aus Ihrer Sicht die Stadt Brühl?

Bär-Heinz: Zu unserem Jubiläum haben wir das Motto ausgegeben: Genug ist nicht gut.” Damit wollen wir ausdrücken, dass wir stolz darauf sind, was wir schon alles erreicht haben, es aber immer noch etwas zu verbessern gibt. Wir sind in den Gremien der Stadt vertreten und diskutieren in Fragen des Straßenverkehrs oder der Kinder-Unfallkommission mit. Im Vergleich zu anderen Kommunen kann man in Brühl gut leben. Die Stadt bemüht sich sehr und tut einiges dafür, familienfreundlich zu sein. Allerdings sehen wir mit Sorge, dass es Überlegungen der CDU-Fraktion gibt, das Jugendzentrum zu schließen. Man kann die Jugendlichen aber nicht einfach auf die Straße setzen. Es muss eine Lösung für die Jugendlichen gefunden werden, eine vermehrte Betreuung durch Straßensozialarbeiter reicht da nicht. Den Jugendlichen fehlt dann eine Räumlichkeit, in der u.a. die vielen Bands üben und auftreten können.

BBB: Was kann und muss noch in Brühl verbessert werden?

Bär-Heinz: Wir würden uns wünschen, dass es in den Kindergärten keine Überbelegung gibt, denn teilweise ist die Gruppengröße zu hoch. Auch die Versorgung der bis 3-Jährigen kann verbessert werden. Außerdem verzeichnen wir in diesem Jahr leider relativ hohe Unfallzahlen. Es gibt noch keine vernünftige Lösung für den Bereich einiger Schulwege, wie den Bereich der Schützenstraße/Kölnstraße/Gartenstraße. Wie sich die Verkehrswege durch die Giesler-Galerie verändern, bleibt ebenfalls abzuwarten. Wir haben davor gewarnt, weil dort ein großer Busverkehr kommen wird, der einen Schulweg im Bereich des Stern kreuzt.

BBB: Wo setzt der Kinderschutzbund die Schwerpunkte seiner Arbeit in Brühl?

Bär-Heinz: Es gibt viele Projekte, die uns am Herzen liegen. Wir bieten Beratung an, wenn Erziehungsprobleme auftauchen. Viele Eltern sind erleichtert, wenn sie sich bei uns die Probleme von der Seele reden können. Gespräche helfen, eine Therapie können wir nicht anbieten, aber Kontakte zu anderen Stellen herstellen. Wichtig sind uns auch zwei Projekte an der Pestalozzi-Schule, die wir unterstützen: das deeskalierende Inselprojekt und das Leseförderprojekt. Außerdem wird das beliebte Spielmobil Kuntibunt” wieder zu 74 Einsätzen in ganz Brühl unterwegs sein. Viele ehrenamtliche Helferinnen und auch die Stadt Brühl unterstützen uns dabei. Im Kuntibunt befinden sich viele Spiel- und Bewegungsgeräte, mit denen die Kinder ihre motorischen Fähigkeiten verbessern können. Nach wie vor haben wir auch Eltern-Kind-Spielgruppen mit Schwerpunkt auf den 1- bis 3-jährigen Kindern. Und schließlich beteiligen wir uns regelmäßig am Tag der gewaltfreien Erziehung”, zu dem es eine Ausstellung in der Erich-Kästner-Realschule gab und zu dem die Schüler ein Video über Streitschlichtung gedreht haben.

BBB: Welche Ziele will der Kinderschutzbund kurzfristig erreichen? Wo drückt der Schuh?

Bär-Heinz: Wir wollen im Bereich der Gewaltprävention tätig werden, haben da auch einiges vor. Aber spruchreif ist das noch nicht. Und wie viele andere Vereine würden auch wir uns freuen, wenn jüngere Eltern aktiv bei uns mitarbeiten würden. Denn die Arbeit macht sehr viel Spaß und es ist eine gute Sache, das Lebensumfeld mitzugestalten. Wir vertreten die jungen Menschen, die kein Sprachrohr haben.