Jahrgang 2010
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Unsere Spiele sind oft interessanter als die der Bundesliga”

Nach der Bundesliga, dem Pokalwettbewerb und der Champions League hat nun auch die Fußball-Mittelrheinliga gut zwei Wochen vor Beginn der Weltmeisterschaft in Südafrika ihre Saison beendet. Der SC Brühl konnte sich im Verlauf der Rückrunde erheblich steigern und ungefährdet den Klassenerhalt feiern. Auf Platz 11 beendete der klassenhöchste Brühler Fußballverein die Spielzeit 2009/2010. Wir haben Kurt Schallehn, den Vorsitzenden des Traditionsclubs, zum persönlichen Gespräch gebeten, um Bilanz zu ziehen und einen Blick in die Zukunft zu wagen.

Unsere 1. Mannschaft, die im vergangenen Jahr als Aufsteiger Vierter geworden war, ist diesmal schlecht in die Saison gestartet. Wir waren uns zu sicher und plötzlich am 14. Spieltag mit nur neun Punkten Letzter. Es fehlten uns die entscheidenden 5 bis 10 Prozent, und wir hatten Pech. So kam eins zum anderen“, erzählt Kurt Schallehn. „Danach lief es ähnlich wie beim VfB Stuttgart in der Bundesliga. Unser Trainer hat sein Amt niedergelegt, und wir haben unter dem neuen Trainer Uwe Hossdorf das Feld von hinten aufgerollt. Damit haben wir unser Saisonziel erreicht.“

Sportlich zufriedenstellend war auch das Abschneiden der weiteren Teams. Die 2. Mannschaft entwickelt langsam zu einem vernünftigen Unterbau der 1. Mannschaft. Das Damenteam hat sich etabliert. „Unsere Damenmannschaft ist eine Hobbymannschaft und wir sind froh, dass wir sie haben“, sagt der Vorsitzende. „Sie tut der Vereinskultur einfach gut.“ Die Junioren spielten eine solide Saison ohne die ganz großen Höhepunkte. Mit der E 1 und der F 2 erreichten zwei der jüngeren Jahrgänge den Staffelsieg. „Schön ist, dass zwei unserer Spieler den Sprung zum 1. FC Köln und Bayer Leverkusen geschafft haben. Wir kriegen es in Brühl leider nicht hin, eine schlagkräftige Jugend auf ein hohes Niveau zu bringen. Weder wir noch die anderen Vereine“, stellt Kurt Schallehn nüchtern fest.

Mit der Neuwahl des Vorstands Ende 2009 konnte der Anfang für bessere Zeiten gemacht werden. Jetzt ist der Jugendausschuss auch im Vorstand vertreten. „Wir hatten früher quasi zwei Vereine unter einem Dach. Das barg immer ein gewisses Konfliktpotenzial, weil sich beide parallel entwickelt haben. Das haben wir nun aufgelöst und alle ziehen jetzt an einem Strang.“ Damit ist der Anfang für den sportlichen Aufstieg der Jugend gemacht.


Ausbildung der Kinder wichtig

Im Vordergrund der Vereinsarbeit steht aber die soziale Komponente. Viele Jugendliche unterschiedlicher Nationalitäten werden integriert, lernen das freundschaftliche Miteinander und Tugenden wie Fairness und Disziplin. „Uns ist die Ausbildung der Kinder wichtig, dass sie sich überhaupt bewegen, Sport treiben und weg vom Computer kommen, ganz egal, welchen Sport“, findet Kurt Schallehn. Leider hat sich der Umzug vom Sportplatz an der Bonnstraße zum Hockeyplatz in Brühl-Süd als Nachteil erwiesen. „Trotz aller Bemühungen der Stadt, ist der Platz einfach in einem sehr schlechten Zustand“, berichtet der Vorsitzende.

Dagegen ist das Angebot des SC Brühl sehr attraktiv. „Zusammen mit dem DLRG sind die Fußballvereine die günstigsten Vereine. Der Monatsbeitrag beträgt für Kinder nur 5 Euro, Geschwister und sozial Schwächere zahlen nur 2,50 Euro. Sie müssen nur Fußballschuhe und Schienbeinschoner mitbringen. Alles andere wird vom Verein gestellt“, erläutert Kurt Schallehn. Das Angebot wird angenommen. Von den 350 Mitgliedern des SC Brühl entfallen rund 250 auf die Jugend. Und die Vergangenheit hat gezeigt, dass ein Fußballgroßereignis wie eine Welt- oder Europameisterschaft dem Verein einen weiteren Schub geben kann. „Das war besonders nach der WM 2006 der Fall“, weiß Kurt Schallehn. „Aber es hängt auch immer vom Abschneiden der deutschen Mannschaft ab und der Stimmung, die im Land herrscht.“ In dieser Beziehung kann der Profifußball ein Segen für die kleineren Vereine sein. Ansonsten hat sich gerade die Fußball-Bundesliga wegen ihrer aufgesplitterten Spieltage eher als Nachteil für den Amateurfußball erwiesen.

Der Sonntagsfußball im Fernsehen ist nachteilig für uns Amateure“, sagt Kurt Schallehn. „Die Leute konzentrieren sich auf die großen Vereine. Die Bundesliga geht zu Lasten der Amateure. Wenn der 1. FC Köln am Sonntag spielt, haben wir weniger Zuschauer. Da sitzen die Leute lieber vor dem Fernseher als unsere Spiele zu besuchen.“

Bei Mittelrheinliga-Derbys kommen schon einmal bis zu 600 Zuschauer ins schöne Schlossparkstadion. Manchmal verlieren sich aber auch nur 120 Besucher im weiten Rund. Dabei wird in Brühl viel geboten. „Im Vergleich zur Bundesliga sind unsere Spiele oft interessanter“, wirbt Kurt Schallehn um mehr Publikum. „Die Partien sind spannend und ansehnlich. Meistens gibt es knappe Ergebnisse oder Highlights wie unser 6:1 gegen den VfL Leverkusen oder das 6:0 gegen Rheinbach.“ Die Atmosphäre ist entspannt, aber auch gelegentlich emotional. Und auf das Top-Catering durch den Förderverein ist der Verein auch stolz. Die Stadionwurst gibt es schon für 1,50 Euro, Kaffee und selbstgebackener Kuchen sind besonders lecker. So würde sich der Verein freuen, wenn die Heimspiele zu einem Familientreffen genutzt würden oder auch Senioren anlocken.


Sponsoren werden benötigt

Noch wichtiger wäre allerdings ein größeres Engagement potenzieller Brühler Sponsoren. Der Spielbetrieb einer Mittelrheinliga-Truppe hat seinen Preis. So mancher Club hat sich daran verhoben, wie etwa der GFC Düren, der mitten in der Saison Insolvenz beantragen musste. „Wir haben beschränkte finanzielle Mög-lichkeiten und müssen auf junge Spieler setzen“, sagt Kurt Schallehn. „Aber wir haben einen guten Ruf, wir arbeiten seriös und haben in den letzten zwei Jahren vier Prüfungen des Finanzamts und der Sozialversicherungen ohne Beanstandung überstanden. Wir kommen allen Verpflichtungen vernünftig nach.“

Auf der anderen Seite fehlen größere Sponsoren. Der Verein lebt „von der Hand in den Mund. Wir würden uns freuen, wenn unser Sponsoring breiter aufgestellt wäre. Andere Vereine wie Wachtberg haben 50 Sponsoren“, sagt Kurt Schallehn. „Wir haben fünf größere Sponsoren und zehn Unternehmen, die mit Bandenwerbung vertreten sind. Der Etat bleibt an einigen wenigen hängen. Ein Unternehmen wie das Phantasialand sponsort lieber die Jugend des 1. FC Köln. Vor Ort passiert leider zu wenig.“ Ob das auf Dauer gut geht, bleibt abzuwarten. Denn egal für welche Liga gilt der Grundsatz, dass der Verein mit dem geringsten Budget früher oder später absteigt.

Dennoch geht der SC Brühl optimistisch und mit konkreten Zielen in die kommende Saison. Ein guter Mittelfeldplatz in der Mittelrheinliga soll es für die 1. Mannschaft werden. Dazu will der Club die beste Mannschaft des Rhein-Erft-Kreises werden. Der 2. Mannschaft soll der Aufstieg gelingen. Die Altersstruktur der 1. Mannschaft bleibt sehr jung. Nur ein Stammspieler ist älter als 30 Jahre. Drei Brühler sollen den Sprung in das Aushängeschild des Vereins schaffen. Dreimal in der Woche wird trainiert, in der Saisonvorbereitung sogar fast täglich. „Der Aufwand, den die Spieler betreiben, ist immens. Das gilt aber auch für unsere Trainer und einige Eltern bei den Jugendlichen. Sie engagieren sich sehr stark und ohne sie ist die Vereinsarbeit gar nicht denkbar.“


Basis im Verein stärken

Auch Kurt Schallehn ist über seinen Sohn beim SC Brühl gelandet. Der 46-Jährige engagierte sich mehr und mehr im Verein und übernahm im vergangenen Jahr den Vorsitz. „Einer muss es ja machen“, sagt er lachend. „Ich wohne, lebe und arbeite in Brühl, also engagiere ich mich hier auch. Die Leute sollen sich in ihrer Stadt engagieren und nicht nach der Stadt rufen. Ehrenamtliches Engagement ist gefordert.“ Seit 18 Jahren lebt der verheiratete Familienvater in Brühl. Im Jahr 2000 machte sich der Steuerberater zusammen mit Dr. Karl-Ludwig Steinhäuser selbständig.

Was ihm am meisten Spaß bei seiner Arbeit für den SC Brühl macht, wollen wir abschließend wissen. „Meine Trainerarbeit bei der F2-Jugend“, sagt Kurt Schallehn, der früher selbst in Niehl kickte. „Es macht großen Spaß die Kinder zweimal in der Woche zu trainieren. Ansonsten will ich generell die Basis im Verein stärken. Das Fundament muss stabil sein, nicht die 1. Mannschaft, auch wenn sie das Aushängeschild des Vereins ist.“

Tobias Gonscherowski