Jahrgang 2019
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„Tolles Programm bei der 6. Brühler Frauenwoche”
Vom 8. bis 17. März findet in Brühl anlässlich des Internationalen Weltfrauentages (8. März) die „6. Brühler Frauenwoche” statt. Das vielfältige Programm umfasst 52 Veranstaltungen und wurde von Antje Cibura, der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Brühl, konzipiert. Wir haben uns mit ihr darüber und über ihren vielen weiteren Aufgabenbereiche unterhalten.

Gleich mehrere Jubiläen gibt es in diesem Jahr zu feiern. Zum einen wird im Rahmen der Frauenwoche an 100 Jahre Frauenwahlrecht erinnert. Zum anderen wurde im Jahr 1984, also vor inzwischen 35 Jahren, die Gleichstellung von Mann und Frau auch im Berufsleben gesetzlich verankert. Das führte dazu, dass auch in der Brühler Verwaltung die Stelle der Gleichstellungsbeauftragten geschaffen wurde. Seit über sechs Jahren hat Antje Cibura diese wichtige Position nun inne.

Die 54-Jährige arbeitet seit 35 Jahren im öffentlichen Dienst und kennt die Brühler Verwaltung bestens. Zuvor war die verheiratete Mutter von drei Kindern seit 1992 bereits in den Abteilungen Soziales, Jugend, ÖPNV, Tourismus, Schule und Sport und Integration tätig, bevor sie 2012 die Gleichstellungsbeauftragte wurde.

Es gehört zur Natur der Sache, dass Antje Cibura im Rahmen ihrer Tätigkeit auch immer mal wieder anecken muss. „Ich schaffe mir nicht nur Freunde in der Verwaltung”, weiß sie, wenn sie sich für die Rechte der Frauen einsetzt und dabei auch mal die Rücknahme von Personalentscheidungen gegen den Willen der Vorgesetzten durchsetzt.
„Ich bin manchmal fast ein Innenrevisor. Meine Hauptaufgabe besteht darin, die Gleichstellung in der Verwaltung sicherzustellen. Denn Frauenrechte sind Menschenrechte, sie sind einklagbar”, sagt Antje Cibura. „Ich glaube, ich bin genau richtig für die Aufgabe, weil mir die Gleichstellung eine Herzensangelegenheit ist und mir das große Ganze genauso wichtig ist wie berührende Einzelschicksale.”

Für ihren Job muss sie eine gehörige Portion Unerschrockenheit genauso mitbringen wie eine hohe Frustrationstoleranz. Aber das macht die Aufgabe auch so spannend. „Es ist ein Geben und Nehmen, im Großen und Ganzen pflegen wir einen respektvollen Umgang”, berichtet sie. Viele ihrer langfristig gesteckten Ziele hat die Gleichstellungsbeauftrage schon erreicht.

Frauenquote gestiegen
So wurde in der Verwaltung die Quote von weiblichen Beschäftigten in Führungspositionen von 24 Prozent auf 30 Prozent gesteigert. Antje Cibura sieht es als Erfolg an, dass es nun fünf neue Abteilungsleiterinnen, eine Stabsstellenleiterin, eine stellvertretende Fachbereichsleiterin, drei Fachbereichsleiterinnen, eine künstlerische Leiterin und eine Verwaltungsleiterin in der Kunst- und Musikschule gibt. Dazu kommen bessere Fortbildungsmöglichkeiten und flexiblere Arbeitszeitregelungen, die auch vermehrt die Arbeit von zuhause aus ermöglichen. So lässt sich auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für viele Frauen besser managen.

Darüber hinaus ist der Rat von Antje Cibura häufig gefragt, wenn es Probleme außerhalb der Verwaltung gibt. Es kann passieren, dass mitten in der Nacht ihr Telefon klingelt, wenn die Polizei bei einem Fall von häuslicher Gewalt eine Frau in einem Frauenhaus unterbringen will und die bestens vernetzte Gleichstellungsbeauftragte die nötigen Kontakte herstellen kann.
Ihre Arbeit, so glaubt Antje Cibura, wird geschätzt. Ihr Vorteil ist, dass der Bürgermeister Dieter Freytag ihr in ihrem Zuständigkeitsbereich keine Anweisungen geben kann und sie einen hohen Grad an Unabhängigkeit genießt. Ihr Verhältnis zum Bürgermeister, dem obersten Chef der Verwaltung, skizziert sie humorvoll. „Er ist der Bürgermeister, mächtig im Status und ungleich höher gestellt. Und ich bin die machtlose Zweitrangige, aber stets die Frau an seiner Seite. Von mir gewollt, von ihm ertragen.” Das ungleiche Duo scheint aber gut zusammen zu funktionieren.

Programm hat hohe Qualität
Bei der Planung des Programms für die 6. Brühler Frauenwoche warteten dagegen andere Herausforderungen auf Antje Cibura. Diesmal musste sie nicht um die Rechte für Frauen kämpfen, diesmal waren es profane finanzielle Rahmenbedingungen, die die Gleichstellungsbeauftragte kreativ werden ließen. Denn mit Ausnahme der Auftaktveranstaltung mit der Kabarettistin Senay Duzcu im Jugendkulturhaus Passwort CULTRA – für die ein Ticket 8,30 Euro kostet – werden alle weiteren Veranstaltungen umsonst angeboten. Das bedeutet, dass die Einnahmenseite überschaubar bleibt und der Etat für die komplette Veranstaltungsreihe arg begrenzt ist. Deshalb verzichteten die teilnehmenden Dozenten auch auf ein Honorar.

Die Qualität des Programms ist dennoch sehr hoch. Geboten wird wieder ein umfangreiches Portfolio mit allen Themen, die Frauen bewegen. Es ist weit über die Brühler Stadtgrenzen hinaus einzigartig und beginnt am 8. März mit der Auftaktveranstaltung im Passwort Cultra. Senay Duzcu beschreibt in ihrem temperamentvollen Comedy-Programm „Ich bleib dann mal hier!“ rasant und schamlos die Vorteile und Schwierigkeiten einer Deutschtürkin.

Anschließend gibt es bis zum 17. März Veranstaltungen für Frauen zum beruflichen Wiedereinstieg, zur Psychologie und Hochsensibilität, Hilfestellung bei Alleinerziehung, Vereinbarkeit von Pflege und Beruf und der Aufklärung zur Notwendigkeit einer Patientenverfügung. Weiterhin sind auch Work-Live Balance Workshops, Vortragscoaching oder Stimmkraftseminare im Programm, genauso wie Angebote zur Kreativität, zum Tanzen und zum Sport.

Spenden gehen ans Frauenhaus
Das Thema „100 Jahre Frauenwahlrecht“ wird beleuchtet und die Suche nach dem richtigen Arbeitsplatz erklärt. Ebenso gibt es ein Angebot wie das Gärtnern erleichtert werden soll oder ein Kräuterseminar, das auf die Heilkraft der Natur hinweist. Eine Schmökerrunde, Improvisationstheater, ein Mitsing-Event, eine Kaffeestunde oder weibliche Fotografien runden den unterhaltenden Part ab. „Bis auf die Auftaktveranstaltung sind alle Veranstaltungen kostenfrei und erfahrungsgemäß gut besucht; bei einigen gibt es eine Höchstteilnehmerzahl. Deshalb empfehle ich, sich jetzt schon Tickets zu besorgen und freie Plätze zu reservieren”, sagt Antje Cibura. Ein ausführliches Programmheft ist im brühl-info und unter www.bruehl.de erhältlich. Weitere Infos gibt es per E-Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder unter 02232/79-2250.

Im Rahmen der Veranstaltungen der Frauenwoche werden auch wieder Spenden für das Frauenhaus Rhein-Erft-Kreis e.V. gesammelt. Bereits seit 1989 finden im Frauenhaus jährlich etwa 65 von Gewalt betroffene Frauen mit rund 85 Kindern Schutz, Beratung und Unterstützung. Das Haus bietet 24 Plätze. Dort erfahren die Frauen professionelle Unterstützung bei der Bewältigung ihrer oftmals traumatischen Erfahrungen und beim Übergang in eine gewaltfreie Zukunft. Das Angebot versteht sich als Hilfe zur Selbsthilfe und ist eine sehr gute Sache. (tg)