Jahrgang 2019
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Die Ausstellung „MOEBIUS”, die im Max Ernst Museum Brühl des LVR noch bis zum 16. Februar 2020 zu sehen ist, präsentiert die visionären Bildwelten des französischen Comiczeichners und Szenaristen Jean Giraud (1938-2012), der unter dem Namen „Moebius“ international bekannt geworden ist.

Bei Moebius verschwimmen die Grenzen zwischen Comicstrip und bildender Kunst. Seine Geschichten entwickeln sich zwischen Hightech-Metropolen, futuristischer Architektur und Wüstenlandschaften; seine Helden unternehmen schamanistische Reisen durch Raum und Zeit. Moebius schrieb mit seinen Werken nicht nur Comicgeschichte, sondern inspirierte auch bedeutende Filmklassiker, etwa von George Lucas, Ridley Scott oder Hayao Miyazaki. Jean Giraud, der sich nach dem Mathematiker und Astronomen August Ferdinand Möbius und dem von ihm beschriebenen „Möbiusband“ benannte, zeichnete unter zwei Pseudonymen: Als „Moebius“ erforschte er die Sphäre der Science-Fiction und lotete mit Klassikern wie „Arzach“ oder „Die hermetische Garage“ das Comic-Genre neu aus. Als „Gir“ schuf er zusammen mit Jean-Michel Charlier die Westernserie „Leutnant Blueberry“ und begleitete diese zeichnerisch fast 40 Jahre lang.

Die in Deutschland bislang umfangreichste Ausstellung zu Moebius versammelt rund 450 Zeichnungen, Aquarelle, Gemälde und Drucke und folgt thematischen Bereichen wie „Natur und Metamorphose“, „Der Traum vom Fliegen und Fallen“ oder „Die innere Wüste“: Ausgehend von seinen Notizbüchern („Carnets“) über kolorierte Zeichnungen, Comicfolgen und abstrakte Gemälde bis hin zu populären Druckgrafiken wird das Spektrum seiner Zeichenkunst ausgebreitet.

Isabelle Giraud, Ehefrau und Mitarbeiterin von Jean Giraud, Moebius Production, erläutert dazu: „Beinahe jede Geschichte beginnt oder endet mit Sequenzen, in denen eine Figur fliegt. Für Moebius steht das Fliegen sinnbildhaft für das immerwährende Bedürfnis, sich im Akt des Zeichnens und im Zuge der Betrachtung der Welt eben dieser zu entziehen, alle Bürden abzuwerfen, sich aufzuschwingen und über die Unbill des irdischen Lebens zu erheben. Das Fliegen erlaubt eine andere Wahrnehmung der Umwelt, ermöglicht es, Abstand zu nehmen und im Traum nach Antworten zu suchen."
Die Idee zur Ausstellung kam den beiden Kuratoren Dr. Achim Sommer und Patrick Blümel im Anschluss an die crossmediale Ausstellung „The World of Tim Burton“ im Jahr 2015. Dr. Achim Sommer, Direktor des Max Ernst Museum Brühl des LVR, erklärt die Hintergründe: „Die Nähe zu Max Ernst und den Surrealisten zeigt sich auch durch das Prinzip des automatischen Schreibens, der sogenannten „écriture automatique“. Moebius schuf rauschartige Bilder, die beeindrucken und immer wieder in Erstaunen versetzen. Zwischen Traum, Metaphysik und Science-Fiction angesiedelt, prägen seine Ideen und Visionen die Ikonografie letzterer bis heute.“

Patrick Blümel, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Max Ernst Museum Brühl des LVR, ergänzt: „Unsere Museumsgäste sollen die ganze Bandbreite von Moebius als Zeichnergenie erleben können. Deshalb zeigt die Ausstellung auch die vielen medialen Facetten von Moebius’ Schaffen. Zusätzlich wird es zu acht Themenbereichen in der Ausstellung je ein großformatiges Foto an den Wänden geben, das sich mit dem Smartphone und einer speziellen App auch digital animiert erleben lässt.“