Saison 2006/2007
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Sinkiewicz: „Verlasse FC mit einem weinenden Auge“

Machen wir es diesmal kurz. Der 1. FC Köln hat sich mit einer engagierten Leistung von erneut 40.000 Zuschauern im RheinEnergiestadion verabschiedet. In einem über weite Strecken sehr unterhaltsamen Spiel gelang den Daum-Schützlingen gegen die abstiegsbedrohten Gäste aus Offenbach ein letztlich gerechtes 2:2-Unentschieden. Dabei bewiesen die Kölner Moral, konnten sie doch trotz einer 65-minütigen Unterzahl nach dem für Christoph Daum „völlig überzogenen“ Platzverweis gegen Fabrice Ehret den Pausenrückstand (Tor durch den Kickers-Stürmer Türker) drehen. Helmes und Novakovic trafen in der 63. und 65. Minute zur zwischenzeitlichen 2:1-Führung, Offenbachs Joker Agritis glich in der 69. Minute erneut aus.


„Das Schlimmste, was einem im Fußball passieren kann“

Und wenn Du glaubst schlechter geht es nicht mehr, kommt von irgendwo ein Kicker des 1. FC Köln daher. So ungefähr geht es den Anhängern des rheinischen Traditionsvereins. Statt das grottenschlechte Getaumel der leblosen Söldnertruppe mit dem sonst üblichen Pfeifkonzert zu belegen, feiern die Fans gelungene 3-Meter-Pässe ihrer fußkranken Stolperer mit einem höhnischen „Olé“. Nach dem spielentscheidenden 0:2 der keineswegs stark auftrumpfenden Gäste aus Fürth sangen die hartgesottenen Südkurvenbesucher „So ein Tag, so wunderschön wie heute“. 
 

„Wir haben keine Ansätze von Spielkultur gezeigt“

Hinterher schwadronierten sie wieder unisono. Nein, dieses 0:3 gegen den SC Freiburg war nicht sinnbildlich für die gesamte Saison. Ja wäre vor der Pause der mögliche Ausgleich gefallen, alles hätte doch ganz anders kommen können. Und überhaupt. „Der 1. FC Köln gehört in die Bundesliga“, behauptete Marvin Matip. FC-Manager Michael Meier hatte da bereits verkündet, die Mannschaft würde noch aussichtsreich im Aufstiegsrennen liegen, wenn sie nur nicht so viele unnötige Punkte gegen die kleineren Mannschaften liegen gelassen hätte. „Dass sie es kann, hat sie schließlich gegen Schalke 04 bewiesen“, so Meier. „So schlecht sind wir nicht.“


Ja, wo leben die eigentlich? Dieses in der Tat tolle 4:2 gegen den FC Schalke 04, damals im Oktober 2006, kann doch nicht ernsthaft der Maßstab sein. Es war der Tag, an dem alle glücklichen Fügungen für den 1. FC Köln zusammen kamen, es war der Tag, der vielen bis heute den klaren Durchblick vernebelte. Eine kontinuierliche Wiederholung dieser Wundertat ist so wahrscheinlich wie ein erneute 7:1-Sternstunde von Manchester United in der Champions League. 
 

Auf diesem Spiel können wir aufbauen“

Es war ein Spiel, wie es die Mannschaft des 1. FC Köln in den letzten Monaten so oft abgeliefert hat. Und es war doch etwas ganz Besonderes. Denn die Stimmung im Stadion hatte bereits ihren Tiefpunkt vor dem Anpfiff erreicht. Es war mucksmäuschenstill im Kölner Fanblock, der trotz der Boykottaufrufe der Fanclubs (Draußen bleiben! Keine Leistung – keine Stimmung!“) zu gut zwei Dritteln gefüllt war. Da konnten sich der Stadionsprecher noch so redlich bemühen (Die Personen wechseln, der 1. FC Köln bleibt“), da konnte die FC-Hymne aus den Lautsprechern dröhnen, die Fans – immerhin 36.000 ‑ blieben abgesehen vom Pfeifkonzert nach Spielende ruhig. Und so lief auch ein leidenschaftsloses Gekicke ab, in dem die hausbackenen Gäste aus Paderborn durch ein Traumtor von Garry de Graef in Führung gingen (16. Minute) und in dem der nach wie vor den Kölner Anhängern verhasste FC-Jungstar Patrick Helmes nur neun Minuten später den Ausgleich und damit das spätere Endresultat markierte.
 
Viel mehr wurde nicht geboten. Außer vielleicht ein paar bemühten Halbchancen, dem Ansinnen des Publikums, Patrick Helmes möge sich wieder umgehend der Kapitänsbinde entledigen (Patrick, zieh’ die Binde aus, Du W...“), die er vom ausgewechselten Lukas Sinkewiez überreicht bekommen hatte und einem Stadionsprecher der aus den Gästen aus Ostwestfalen kurzerhand den Karlsruher SC machte.
 

 
Viele Fans boykottierten die 1. Hälfte.
 

Es baut sich hier ganz langsam etwas auf“

Die Tristesse der zuletzt im RheinEnergieStadion gezeigten spielerischen Leistungen ist geblieben. Doch das Ergebnis war ein anderes. Der 1. FC Köln hat tatsächlich nach sieben vergeblichen Versuchen seit September des vergangenen Jahres wieder erstmals ein Heimspiel gewonnen. Mit den Erfolgen kommt das Selbstvertrauen“, orakelte FC-Coach Christoph Daum nach dem uninspirierten Gekicke seiner Elf beim 1:0-Sieg gegen den FC Carl-Zeiss Jena. Wichtig war, dass wir die Null gehalten und kaum Chancen zugelassen haben. Es baut sich hier ganz langsam etwas auf.“
 
Über das Spiel braucht man nicht viele Worte verlieren. Christoph Daum hatte bereits im Vorfeld ein Geduldsspiel angekündigt und mit einer Viererkette und zwei defensiven Mittelfeldakteuren begonnen. Gegen Jena, das mit 37 Gegentreffern vor dem Spiel die Schießbude der Liga stellte, agierte der FC bemüht, aber weitgehend planlos und über weite Strecken auch erschreckend harmlos. Erst durch die Einwechslung seines Edeljokers“ Matthias Scherz kam nach einer Stunde etwas Schwung ins Kölner Spiel.


Die Fans kündigen Patrick Helmes die Freundschaft
 

Große Schnauze, nichts dahinter“

Kein Trainer kann so verkehrt trainieren, dass die Mannschaft solch eine Leistung abliefert. Hier fallen einem langsam nicht mehr viele Erklärungen ein“, kommentierte Christoph Daum in ungewohnter Schärfe die erneut miserable Vorstellung seiner Mannschaft. Der Trainer ging auf Distanz zu seiner Elf, die sich doch für das erste Spiel im Jahr 2007 so viel vorgenommen hatte. Das Ergebnis: ein 1:1 gegen den braven und biederen Aufsteiger aus Augsburg.
 
Nichts hatte sich gegenüber dem Horrorjahr 2006 gebessert. Wie in so vielen Partien der indiskutablen Hinrunde gab auch dieses Mal wieder ein frühes Tor (9. Minute Novakovic) keine Sicherheit. Was der FC zwischen der 15. und 45. Minute zusammen kickte, hatte mit professionellem Fußball aber auch gar nichts zu tun. Und in der 2. Spielhälfte lief es abgesehen von einer einzigen Großchance von Novakovic kurz vor Schluss auch nur marginal besser.

Christoph Daum wendet sich mit Grausen ab.

Vielleicht tut uns die Niederlage sogar
ganz gut“

Die Hoffnung trog. Die Hoffnung, dass mit der Verpflichtung des Startrainers Christoph Daum und dem glücklichen 2:1-Sieg in Fürth nun die Wende und der Beginn der großen Aufholjagd des 1. FC Köln herbeigeführt sei. Es kam wieder einmal ganz anders, und es kam wieder einmal noch schlimmer als zuvor. Nichts wollte klappen an diesem trüben Dezemberabend vor 48.000 Zuschauern im RheinEnergieStadion.
 

Die Fotografenmeute wartet auf den ersten Auftritt von Christoph Daum.
 
Der 1. FC Köln agierte hilflos, planlos, kopflos, hektisch und völlig verunsichert. Beim ersten Gegentor sah Keeper Stefan Wessels schlecht aus. Beim zweiten Gegentreffer patzte die gesamte Abwehr mit haarsträubenden Fehlern. So etwas sieht man selbst in der Kreisliga nur sehr selten“, analysierte Reiner Calmund in der Halbzeit knallhart. Da führte der MSV Duisburg folgreichtig bereits mit 2:0 dank der beiden Treffer von Markus Daun, der sich nach dem Spiel als FC-Fan outete und dem Club eher mitleidig immer noch den Aufstieg wünschte.
 

Momentan sind alle Spieler am Boden“

Der 1. FC Köln verliert in der 2. Bundesliga im Kampf um die Aufstiegsplätze weiter dramatisch an Boden. Seit mittlerweile unglaublichen acht Spielen ist der FC sieglos. Jetzt gab es auch gegen die Münchener Löwen eine verdiente 1:2-Heimniederlage. Doch in der nasskalten November-Tristesse sorgte die Verpflichtung von Christoph Daum als neuer Cheftrainer für einen Hoffnungsschimmer am dunklen Horizont. Der frühere Kölner Coach unterschrieb einen Vertrag bis zum 30. Juni 2010 bei den Geißböcken, der auch für den inzwischen nicht mehr ganz so unrealistischen Fall gilt, dass der 1. FC Köln auch in der kommenden Spielzeit in der Zweitklassigkeit verbleibt. Dass für den Traditionsverein vom Rhein die Punktedifferenz zu den Abstiegsrängen sogar geringer ist als der Rückstand zum Aufstiegsplatz, sei hier nur am Rande erwähnt.


 

Momentan ist der Wurm drin“

Der 1. FC Köln ist wieder einmal an einem neuerlichen Tiefpunkt angelangt. Nach einer erschreckend schwachen, völlig uninspirierten Vorstellung beim 0:1 gegen ein biederes Gästeteam aus Aue hatten die leiderprobten, immerhin 34.000 FC-Fans die Schnauze voll“. Seit der Verletzung von Mittelstürmer Patrick Helmes blieb der FC damit im sechsten Spiel in Serie ohne Sieg. Den Anschluss an die Aufstiegsränge haben die Kölner erst einmal für Wochen verpasst. Mit Leistungen wie gegen Aue kann der FC selbst in der 2. Liga nicht bestehen.

Die Partie gegen die bislang auswärts sieglosen Gäste war eine einzige spielerische Bankrotterklärung. Trotz klarer Feldvorteile erspielten sich die Kölner nur eine einzige nennenswerte Torchance durch Chihi Mitte der zweiten Hälfte, die der ansonsten kaum geforderte Gästekeeper Bobel meisterte. Ansonsten stolperten Novakovic, Scherz und Co. den Katastrophenpässen von Broich, Cabanas oder Epstein hinterher. Lediglich Chihi und Wessels präsentierten sich halbwegs zweitligatauglich. Ihr macht den FC kaputt“ skandierten die lange Zeit geduldigen, aber am Ende völlig frustrierten Fans, die auch erstmals, wenn auch nur vereinzelt, den Rausschmiss des Trainers forderten.


Nach den schwachen Leistungen bleiben die Zuschauer weg.

Der momentane Tabellenplatz hat noch keine Aussagekraft“

Der 1. FC Köln hat in der 2. Bundesliga das Siegen verlernt. Seit nunmehr vier Spielen warten die Geißböcke auf einen Sieg im Liga-Alltag. Gegen den bisherigen Tabellenführer Hansa Rostock kam der FC trotz zweimaliger Führung nicht über ein 2:2-Unentschieden vor erneut beeindruckenden 46.500 Zuschauern hinaus. Die Schützlinge von Trainer Hanspeter Latour stagnieren nach drei Remis’ in Folge auf Platz 5. Der schöne Pokaltriumph über Schalke 04 kann nicht überdecken, dass die Kölner ihren Ansprüchen hinterher hinken und bei einem Kaiserslauterner Sieg gegen Freiburg am Montag bereits vier Punkte hinter den Aufstiegsrängen liegen könnten.


Wir haben die richtige Reaktion gezeigt“

 So ein Tag, so wunderschön wie heute.“ Schon lange hatten die Fans des 1. FC Köln einen solchen Abend nicht mehr erleben dürfen. Und so feierten sie den triumphalen 4:2-Sieg nach Verlängerung gegen den Tabellenzweiten der Bundesliga ausgelassen mit La-Ola-Welle und kölschen Karnevalsliedern.

Der 1. FC Köln hatte den Favoriten Schalke 04 nach 120 turbulenten Minuten vor 50.000 Zuschauern im ausverkauften RheinEnergieStadion hochverdient aus dem Wettbewerb gekegelt und Wiedergutmachung für drei schwächere sieglose Spiele im Liga-Alltag betrieben. Angetrieben von einem überragenden Thomas Broich lag der FC nach einem Eigentor des Schalkers Rodriguez und dem ersten Treffer von Milivoje Novakovic zur Pause mit 2:0 vorn, dann kam Schalke auf. Erst verkürzte durch Löwenkrands auf 1:2, dann schwächte sich S04 durch einen dummen Platzverweis von Bajramovic selbst, um kurz darauf doch zum Ausgleich (wiederum Rodriguez) zu kommen.


Letzte Erfrischungen vor der entscheidenden Verlängerung.


Novakovic braucht noch etwas Zeit“

Matthias Scherz hätte der Mann des Abends werden können. In der 60. Minute wurde er für den erneut enttäuschenden Milivoje Novakovic eingewechselt und brannte dann ein Chancenfeuerwerk ab, das es in sich hatte. Allein, das Tor traf er nicht. Viermal tauchte der 34-jährige Goalgetter aus kürzester Distanz vor dem Karlsruher Torhüter Markus Killer“-Miller auf. Dreimal parierte der Keeper mit phantastischen Reflexen, einmal schob Scherz die Kugel am Kasten vorbei. Und als dann auch noch Edmond Kapplani einen fein gespielten Konter des KSC mit dem 0:1 abschloss, schien das Kölner Schicksal besiegelt.

Vor dem Spiel gedachten die Fans des früheren FC-Präsidenten Franz Kremer.

Interview mit Thomas Broich

“Wir können nicht immer vier oder fünf Tore schießen”

Der alte Westschlager lockte nicht nur wie gewohnt fast 40.000 Zuschauer ins Stadion, sondern auch die geballte Trainerprominenz. Frankfurts Friedhelm Funkel war da, Schalkes Mirko Slomka nahm mit dem FC seinen nächsten Pokalgegner unter die Lupe, Aachens sportliche Leitung mit Trainer Michael Frontzeck und Manager Jörg Schmadtke gab sich die Ehre, der deutsche U21-Bundestrainer Dieter Eilts beobachtete seinen Toptorjäger Patrick Helmes und auch der derzeit joblose Jürgen Kohler war auf Fortbildung.


Spionierten auf der Tribüne: die Trainer Mirko Slomka (Schalke, li.) und Michael Frontzeck (Aachen)

“Wir sind momentan einfach gut drauf”

Nach dem Spiel waren alle zufrieden. Die Verantwortlichen des 1. FC Köln sowieso und sogar der Gästetrainer von Eintracht Braunschweig. Michael Krüger sprach nach der 1:4-Packung seiner Elf vom “besten Saisonspiel” und erntete dafür nicht nur verständnisloses Kopfschütteln. Immerhin hatten die Niedersachsen nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden des Kölner Wirbelwindes Patrick Helmes gut 30 Minuten mithalten können. Das war aber viel zu wenig, um den erneut über weite Strecken starken FC wirklich in Bedrängnis zu bringen.

Patrick Helmes gelang sein dritter Doppelpack.

Frage: Wie hast Du die Stimmung vor 41.000 Zuschauern wahrgenommen?
Chihi: Geile Stimmung, es ist schon ein geiles Gefühl, hier im
RheinEnergiestadion zu spielen.

Frage: So kann es weitergehen?
Chihi: Auf alle Fälle. Wir wollen den nächsten Dreier einsacken.

Frage: Wie überrascht warst Du, dass Du spielst?
Chihi: Der Trainer hat mir immer Mut gemacht, und ich habe immer im Training Gas gegeben. Und auf einmal durfte ich spielen. Schön, dass ich das Vertrauen zurückzahlen konnte.

Es werden noch ganz andere Kaliber kommen“

Nach einer starken Vorstellung und einem munteren Schützenfest grüßt der 1.  FC Köln bereits am 2. Spieltag als Tabellenführer den Rest der Liga. Wacker Burghausen war zu keiner Phase des Spiels in der Lage, dem überfallartig agierenden FC Gegenwehr zu leisten. Schon in der 2. Minute hätte Patrick Helmes die Kölner in Führung bringen können. Doch bereits drei Minuten später hatte sein Pressing gegen die total überforderte Gästeabwehr Erfolg. Nach Querschläger und Ausrutscher konnte Helmes im Strafraum aus kurzer Distanz den völlig freistehenden Youngster Adil Chihi bedienen, der unbedrängt zur Führung einschob und sich von den 41.000 Zuschauer feiern ließ.

“Der 1. FC Köln gehört in die erste Bundesliga”

FC-Profi Denis EpsteinMit dem Auswärtsspiel beim FC Augsburg startet der 1. FC Köln mit einem stark veränderten Kader das Unternehmen direkter Wiederaufstieg. Denis Epstein ist (zusammen mit Carsten Cullmann und Patrick Helmes) einer von drei gebürtigen Kölnern im Team und gehört schon jetzt bei den Fans zu den beliebtesten Spielern. Wir haben den 20-jährigen Linksfuß am Geißbockheim getroffen. 
 
BBB: Mit welchen Erwartungen und Zielen gehen Sie persönlich in Ihre zweite Profi-Saison?

Denis Epstein: Es ist bekannt, dass wir in dieser Saison den sofortigen Wiederaufstieg schaffen wollen. Wenn man die Stadt sieht, das Stadion, das Umfeld: das ist alles bundesligareif. Der 1. FC Köln gehört in die erste Bundesliga. Wir haben uns als Mannschaft schon ganz gut gefunden. In der Vorbereitung haben wir uns bewusst für sehr schwierige Testspielgegner entschieden, weil man aus solchen Spielen die meisten Schlüsse ziehen kann. Mein persönliches Ziel ist ganz klar ein Stammplatz. Ich habe in der letzten Saison schon elf Bundesligaspiele gemacht und dabei zwei Tore erzielt. Da muss mein persönliches Ziel ein Stammplatz sein.