Jahrgang 2007
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„Wer den Bilderbogen lesen möchte, nimmt ihn sich mit“

Im November 2002, also genau vor fünf Jahren, erschien die erste Ausgabe des neuen Brühler Bilderbogen. Damit wurde nach einer gut 18-monatigen Pause eine Tradition fortgesetzt, die bereits im Jahr 1985 ihren Anfang genommen hatte. Damals feierte die Stadt Brühl ihr 700-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass brachte der Kölner Bilderbogen-Verlag der Brüder Helmut und Karl-Heinz Thielen die erste Ausgabe des Brühler Bilderbogen auf den Markt, der 186 weitere folgen sollten. Im Juni 2001 war dann jedoch zunächst einmal Schluss.

Im Sommer 2002 beschlossen dann die langjährigen Bilderbogen-Redakteure Tobias Gonscherowski und Bernhard Münch zusammen mit dem Marketing-Fachmann Alexander Gonscherowski einen Neustart des Bilderbogen zu wagen und dies in völliger Unabhängigkeit und ohne finanzielle Unterstützung des ehemaligen Herausgebers. Aus der „Monatszeitschrift“ wurde „Das Kultur-Magazin für Brühl“. Nicht nur inhaltlich wurde vieles verändert, auch konzeptionell: modernes Layout, durchgehend vierfarbig, neues Papier. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen und stößt bis heute auf eine große Zustimmung und positive Resonanz. Verantwortlich dafür sind Alexander Gonscherowski, der für die Bereiche Gestaltung, Akquisition, PR und Redaktion zuständig ist, Tobias Gonscherowski als Chefredakteur sowie Bernhard Münch, übrigens der „dienstälteste Bilderbogen-Mann, der die Monatschronik betreut, der Spezialist für besondere Fotos ist und zudem den kompletten Online-Auftritt realisiert.


BBB: Was unterscheidet den jetzt seit fünf Jahren bestehenden neuen Brühler Bilderbogen vom alten?

Tobias Gonscherowski: Wir haben den Schwerpunkt ganz klar auf die Kultur gesetzt. Wir wollen der unglaublich vielfältigen Brühler Kultur- und Kleinkunstszene ein Forum bieten. Wir stellen Künstler vor, Autoren, Projekte, Initiativen. Mal im großen Rahmen unserer Rubriken wie das „persönliche Gespräch“, der „Fragebogen“ oder „Fünf Fragen an“, mal innerhalb der Rubrik Kulturszene. Aber wir haben den BBB nicht gänzlich neu erfinden müssen. Einige bewährte und beliebte Rubriken haben wir übernommen: Umfrage, Gespräch, Monatschronik, Fragebogen.

 

BBB: Herr Münch, seit wann sind Sie als der „dienstälteste“ BBB-Mitarbeiter dabei?

Bernhard Münch: Schon lange. Zuerst habe ich für meinen Großvater Jakob Sonntag dessen Texte für den BBB am PC abgetippt. Als fester Mitarbeiter des BBB habe ich dann nach dem Tod meines Großvaters am 28. Januar 1991 zunächst seine historische Rubrik, und dann auch andere Aufgaben übernommen. Bis heute ist es dann ja fast schon ein Ritual geworden, gemeinsam mit Tobias für die Monatsumfrage auf dem Brühler Markt zu stehen. Hierbei wäre es eigentlich schon eine eigene Veröffentlichung wert, nur die unterschiedlichsten Absagen der befragten Bürger abzudrucken.

 

BBB: Wie finanziert sich der BBB?

Alexander Gonscherowski: Der BBB finanziert sich ausschließlich über Anzeigen, und das bleibt aufgrund der Wettbewerbssituation auch nach fünf Jahren ein hartes Geschäft. Mit dem BBB Reichtümer zu erwirtschaften, bleibt Wunschdenken unseres kleinen Teams. Im Gegensatz zu den hiesigen Anzeigenblättern und Monatsmagazinen, die von einem großen Kölner Verlagshaus und dessen Tochtergesellschaften herausgeben werden, wandert der BBB auch nicht in jeden Brühler Briefkasten. Trotz unserer nicht 100-prozentigen Haushaltsabdeckung erreichen wir mit unserer Druckauflage, die an weit über 200 Stellen im Einzelhandel und öffentlichen Institutionen ausgelegt wird, aber ungefähr ein Drittel der Brühler Haushalte.

 

BBB: Warum setzten Sie nicht auf eine komplette Haushaltsabdeckung?

AG: Wir vertreten als Verlag die Philosophie, dass derjenige, der den Bilderbogen lesen möchte, ihn sich mitnimmt. Ich persönlich ärgere mich über die Werbeflut in meinem stets überfüllten Briefkasten. Vieles schmeiße ich ungelesen ins Altpapier, weil es mich einfach nicht interessiert. Und so verhalten sich meiner Meinung nach wohl Viele. Der BBB ist wegen seiner hohen Papierqualität und des qualitativ hochwertigen Druckverfahrens einfach zu teuer, um ungelesen in die Altpapiertonne zu wandern. Aufgrund unserer „Verteil-Philosophie“ und der Auflagenhöhe können wir darüber hinaus auch attraktive Anzeigenpreise für unsere Kunden anbieten.

 

BBB: Wer inseriert im BBB?

AG: Unsere Anzeigenkunden sind überwiegend inhabergeführte Unternehmen aus dem Einzelhandel und dem Dienstleistungssektor. Unser Vorteil ist, dass wir die Anzeigen für unsere Kunden auch kostenfrei und auf hohen Niveau gestalten und texten. Gut gemachte Anzeigen erhöhen die Werbewirkung. Trotzdem steht die Qualität der redaktionellen Inhalte immer an erster Stelle für die Attraktivität unseres Magazins. Aber ohne einen gesunden und erfolgreichen Brühler Einzelhandel mit seinem Anzeigenvolumen könnte der Bilderbogen nicht existieren. Uns liegt viel daran, dass die Kaufkraft der Brühler in Brühl bleibt. An dieser Stelle sei jetzt einmal allen unseren Brühler Anzeigenkunden für deren Treue gedankt.

 

BBB: Worauf wird verzichtet?

TG: Bei uns werden in der Regel die Veranstaltungen angekündigt. Nur in wenigen Fällen blicken wir auf Ereignisse zurück. Wir halten uns auch mit Kritik sehr zurück. Man wird bei uns keine Theater- oder Konzertkritik finden. Das sollen andere machen. Unsere Leser sollen darüber informiert werden, was alles in Brühl geboten wird, wer dahinter steckt, mit welchem großen und zumeist ehrenamtlichen Engagement hier tolle Veranstaltungen auf die Beine gestellt werden.

 

BBB: Die Politik bleibt außen vor?

TG: Nicht ganz. Vor der letzten Kommunalwahl haben wir mit allen Bürgermeisterkandidaten ausführliche Gespräche geführt. Wir lassen Entscheidungsträger zu Wort kommen, ob es nun der Kämmerer ist, Amtsleiter oder Leiter städtischer Institutionen wie die Kunst- und Musikschule.

 

BBB: Nach welchen Kriterien sucht die Redaktion die Themen und Gesprächspartner aus?

TG: Ganz wichtig ist der Brühl-Bezug. Wir berichten fast ausschließlich über das kulturelle Leben in Brühl, nicht in Wesseling, Hürth, Erftstadt oder Köln. Wir stellen Brühler Projekte vor oder Projekte von Brühlern. Die Bandbreite ist da riesengroß. Ein weltbekannter Schauspieler wie Günter Lamprecht, der sich für Brühl-Bornheimer Blauspargel einsetzt, ist genauso spannend wie z.B. Dr. Monika Hauser, die für den Friedensnobelpreis nominiert war, oder das Ehepaar Schumacher, das in Brühl ein Kinderhaus in Eigenregie leitet.

 

BBB: Seit drei Jahren ist der BBB auch im Internet vertreten. Wie viel Arbeit steckte dahinter, bis der Bilderbogen online gehen konnte?

BM: Ich habe schon vor fünf Jahren die ersten Entwürfe für einen Webauftritt gemacht. Zunächst damals als reine HTML-Version und völlig „von Hand gestrickt“. Schon bald aber ergab sich, dass wir hier neben der reinen Onlineausgabe des BBB auch weitere Gebiete abdecken wollten. So entstanden unsere beiden Webseiten www.bilderbogen.net und www.inbruehl.com zunächst als eigenständige und separat gepflegte Produkte, die dann Anfang 2007 zusammengelegt wurden. Beide Projekte wurden in je ungefähr fünf bis sechs Monaten realisiert.

 

BBB: Wie sehen Sie die Zukunft des BBB im Internet?

BM: Ich denke schon, dass die Verknüpfung von redaktionellem Inhalt und der Branchenlösung www.inbruehl.com uns auch zukünftig interessante Projekte und manch spannendes Online-Spezial ermöglichen wird und wir auch weiterhin die Informationen, für die es im Heft keinen Platz mehr gab, als Ergänzung dann online anbieten werden.

 

BBB: Was ist in den vergangenen fünf Jahren einmal  schief gelaufen?

TG: Eigentlich nicht viel. Es gab ganz am Anfang allerdings einen peinlichen Moment, über den wir heute lachen. Wir wollten vor der Eröffnung des Max Ernst Museums ein Exklusivinterview mit dem verantwortlichen Macher der Kreissparkasse führen. Ich wusste nur, dass dies das Vorstandsmitglied Herr Krämer aus Brühl war. Den kannte ich bereits von einem früheren Termin. Also habe ich über sein Vorzimmer einen Termin vereinbart und bin mit dem Kollegen Bernhard Münch zur KSK-Zentrale zum Neumarkt gefahren. Da wurden wir freundlich von Herrn Krämer empfangen, der allerdings schon recht bald irritiert war und dann vorsichtig fragte, ob vielleicht eine Verwechslung vorliege. Nicht er, Leo Krämer, wäre verantwortlich für alle Belange des Museums, sondern Hans-Peter Krämer, der Vorstandsvorsitzende. Da besteht der KSK-Vorstand aus drei Personen, von denen zwei Krämer heißen und beide aus Brühl kommen. Dumm gelaufen.